Sonntag, 11. August 2013

Star Trek - Nemesis (2002)




STAR TREK – NEMESIS
USA 2002
Dt. Erstaufführung: 16.01.2003
Regie: Stuart Baird

Wussten alle Beteiligten von Star Trek – Nemesis, dem immerhin zehnten Film in der profitablen Serie, dass dies ihr letzter Einsatz im Dienste der Föderation sein würde? Diesem Gefühl kann man sich kaum erwehren. Denn auch wenn er Dinge etabliert, die für ein mögliches Sequel nützlich hätten sein können, fühlt sich Nemesis doch wie ein final call an. Richtig Mühe gibt sich der Film kaum. Die Effekte sind hervorragend und man ist durchaus gewillt, Action und Denkanstöße in der Waage zu halten, aber am Schluss kommt ein sehr durchwachsener Film heraus, der wirkt, als wolle er das Unterfangen schnell hinter sich bringen.

Nach Jahren des fragilen Waffenstillstands scheint das romulanische Imperium bereit zu sein, Friedensverhandlungen mit der Föderation aufzunehmen. Dieser Umstand ist vor allem dem Auftauchen des neuen Herrschers Shinzon (Tom Hardy) geschuldet, seines Zeichen ein Sohn des Planeten Remus, dem Schwesterplaneten der romulanischen Heimatwelt, auf dem man die vampirartigen Remaner versklavt hat. Zur Überraschung der Mannschaft des Raumschiffs Enterprise, dass zu den Verhandlungen geschickt wird, ist Shinzon aber weder Remaner noch Romulaner, sondern ein Mensch – genauer gesagt ein Klon Picards (Patrick Stewart), Überbleibsel eines alten, aufgegebenen Komplotts gegen die Föderation (ich verrate damit keine großen Plotdetails, weil der Film aus dem Klon-Umstand kein nach und nach zu entschlüsselndes Geheimnis macht), der gänzlich andere Dinge im Kopf hat als einen Friedensvertrag…

Die Sequenzen mit Picard und Shinzon gehören zu den Glanzstücken in Nemesis. Die Frage, wie ein Leben mit den identischen Ausgangsdaten (in diesem Fall das gleiche Erbgut) unter verschiedenen äußeren Einflüssen verlaufen kann, ist nicht nur interessant (nicht umsonst sind getrennt voneinander aufgewachsene Zwillinge eine wissenschaftliche Wundertüte), sondern wird auch mit einiger Souveränität gehandhabt. Die Dialoge bei diesen Konfrontationen gehören zu den besten Elementen, die man in Stuart Bairds (Einsame Entscheidung) Film finden kann. Weit weniger funktionell ist die Entdeckung von Datas (Brent Spiner) „Bruder“ B-4 (ebenfalls Brent Spiner), einer geistig nicht so hochentwickelten Vorstufe von jedermanns Lieblingsandroiden. Nicht nur, dass der Film hier eine riesige Chance verpasst, Datas „bösen Zwilling“ Lore aus der TV-Serie einzubauen (was ein größeres Gefühl von Kontinuität erzeugt hätte), die Begegnung von Data und B-4 entfaltet nicht nur wenig dramatisches Potenzial, B-4 ganze Anwesenheit ist eher ein McGuffin, der nicht nur einem Komplott dient, sondern auch das für Next Generation-Fans schwer zu ertragene Ende erträglicher machen soll. Wie gesagt, Nemesis ist ein Abschied – ein düsterer, unausgewogener und vor allem eher unwürdiger Abschied. Da er so viele „finale Momente“ einbaut, ist es auch schwer zu glauben, dass man bei Paramount zu dieser Zeit nicht bereits davon überzeugt war, Star Trek nach zehn Filmen in den Ruhestand zu schicken. So ist der Film in gewisser Weise ein Echo von Star Trek VI – Das unentdeckte Land, ohne dessen clevere Struktur, die den Abschied von Kirk und Co. würdig und durchdacht erschienen ließ.

Rein für sich genommen, ohne die Bürde des finalen Teils, dessen Bedeutung sich ohnehin nur in der Retrospektive gänzlich erschließt, ist Nemesis ein besserer Film als sein unmittelbarer Vorgänger, Der Aufstand, dessen Unwille zum dramaturgischen und gestalterischen Mut hier durch größere Experimentierfreude ersetzt wurde, die allerdings auch zu vielen Albernheiten führt. Es gibt eine generische Autoverfolgungsjagd (!) und am Ende rasen zwei Raumschiffe ineinander. Wenn eins davon nicht U.S.S. Enterprise-E heißen würde, beide Schiffe wären sofort explodiert. Nemesis besitzt Schauwerte, keine Frage, aber der Film bewegt sich mit ihnen manchmal ziemlich nah am Trash, was durchaus zu einem gewissen Unterhaltungswert führt. Außerhalb des Picard/Shinzon-Plots sollte man aber nicht zu viel nachdenken.

Star Trek – Nemesis ist ein gleichermaßen frustrierender wie unterhaltsamer Film und diese seltsame Mischung hinterlässt einen schalen Geschmack. Einerseits ist es schön, all die bekannten Gesichter wiederzusehen, auf der anderen Seite ist der Film so angefüllt mit Hinweisen, das das Ende naht, dass er geradezu melancholisch wirkt. Und da er sich ein sinnlos-grausames Ende nicht verkneifen kann, endet die Star Trek-Kinoära eher mit tränenden Augen der Enttäuschung anstatt mit tränenden Augen des wohlwollenden Abschieds (siehe nochmals Star Trek VI). Es gibt genug interessantes Material in Nemesis. Dass es sich nicht zu einem rundlaufenden Ganzen vermengt, ist ärgerlich und traurig zugleich.



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