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Montag, 18. August 2014

Terminator - Die Erlösung (2009)

TERMINATOR - DIE ERLÖSUNG
(Terminator: Salvation)

USA 2009
Regie: McG
Dt. Erstaufführung: 04.06.2009

Terminator 3 - Rebellion der Maschinen, ein ansonsten eher unwürdiges Kapitel des Franchises, endete immerhin mit der Einlösung aller Prophezeiungen und Möglichkeiten, mit denen in den vorangegangenen Filmen gespielt wurde: SkyNet, jene Bewusstsein entwickelnde Hochtechnologie, startete mit ihrem Angriff gegen die per se als Bedrohung eingestuften Menschen. Terminator - Die Erlösung ist folgerichtig der erste Teil der Reihe, der die postapokalyptische Zukunft nicht nur etwas verschämt in Rückblenden (oder sind es in diesem Fall eher Vorblenden?) abhandeln kann. Das eröffnet nicht nur neue Handlungsräume, es bringt leider auch eine gängige Ästhetisierung dieser Dystopie mit sich. Die Welt in dem von McG inszenierten Film hat kaum noch etwas mit der klaustrophobischen, von Trümmern übersäten Zukunft der James-Cameron-Filme zu tun, vielmehr ist es eine durch den Underworld-Filter gejagte Pop-Apokalypse - alles ist etwas zu schön, zu wenig dreckig und ja, auch zu wenig hoffnungslos.
Mag man mit solchen
ästhetischen Kriterien noch leben können, wiegt ein anderer Aspekt sehr viel schwerer: Die Erlösung ist der langweiligste Teil der Serie, der verzweifelt auf der Suche nach möglichen Themenvariationen ist und dabei doch dazu verdammt ist, nur das hinlänglich bekannte zu illustrieren. McGs Film gehen nicht völlig die Ideen ab, aber die standardisierte Inszenierung torpediert beständig jeglichen Spaß, den der erneute Ausflug in die Welt der Killerroboter machen könnte.
Der Untergang hat stattgefunden: die Reste der Menschheit kämpfen einen aussichtslos erscheinenden Kampf gegen die von der künstlichen Superintelligenz kontrollierten Maschinen, vor allem die humanoiden Terminatoren. Einer der Soldaten ist John Connor (Christian Bale), der unter der Bürde, der prophezeite Heilsbringer zu sein, leidet. Eines Tages taucht der mysteriöse Marcus Wright (Sam Worthington) auf, der der Schlüssel zum Rätsel sein könnte, wie John gegen alle Widerstände doch noch zum entscheidenden Faktor im Krieg gegen die Maschinenen werden könnte. Zumal SkyNet mit einem neuen Typ von Terminator experimentiert - lebendes menschliches Gewebe über einem künstlichen Innern...
Die gute Nachricht: Christian Bale ist ein sehr viel besserer John Connor als Nick Stahl. Bale kauft man ab, dass er einst der neunmalkluge Edward Furlong in Tag der Abrechnung war, außerdem macht er rein durch seine physische Präsenz eine bessere Figur in der Postapokalypse. Als Vergleich sei nur an die unfreiwillig peinlice "Vision" in Rebellion der Maschinen erinnert, die den Hänfling Stahl als Rebellenführer imaginierte. Dieser John Connor ist ein Macher, ohne Frage, aber nicht einer, dem jegliches Denk- und Einfühlungsvermögen abhanden gekommen ist. Der Widerspruch, mit dem John zu kämpfen hat, die Diskrepanz zwischen Wissen um die Zukunft bei gleichzeitiger Ahnungslosigkeit, welche Schritte denn nun konkret getan werden müssen, um genau diese Zukunft wahr werden zu lassen, gehören zu den besten Elementen in Die Erlösung.
Ein ähnlich gelagertes Dilemma möchte der Film für Sam Worthingtons Charakter kreieren. In einem anderen Film wäre dies eine potente Sache gewesen, im Kontext der Terminator-Filme wirkt es erneut wie eine etwas bemühte Suche nach einer Innovation. Marcus ist ein zwar durchaus interessanter, aber auch letztlich unlogischer Schritt in der Mythologie der Serie, ein Vehikel, um einmal mehr die Überlegenheit menschlicher Emotionen gegenüber kalter Maschinenlogik zu demonstrieren. Denn, so erzählt es uns der Film: Marcus ist ein Cyborg, der nicht weiß, dass er einer ist, eine Infiltrationseinheit, die nicht weiß, dass sie spioniert. Diese Prämisse hat in sich ein Potenzial, dass Philipp K. Dick stolz machen würde, im Rahmen der Terminator-Reihe fragt man sich ständig, ob die Entwicklung von Arnold-Schwarzenegger-Modellen (der hier nur als digitaler Klon auftritt) danach nicht ein Rückschritt ist.
Doch, auch dass muss man anmerken, für solche Überlegungen interessiert sich der Film weniger, ihm geht es vielmehr um den ständigen Nachschub an Aha!-Momenten, die den aufmerksamen Zuschauer aber kaum überraschen können. Dabei rackert sich
Die Erlösung durchaus damit ab, die Kontinuität einigermaßen aufrecht zu halten und vor allem das Zusammentreffen mit dem jungen Kyle Reese und seinem älteren Sohn John ist eine Perle für sich.
So hangelt sich Die Erlösung nur von Showact zu Showact, inszenatorisch auf solidem, aber eben auch arg durchschnittlichem Niveau. McG gelingt es nicht, eine involvierende Atmosphäre zu generieren, geschweige denn die Terminator-Mythologie so weit zu ergänzen, dass es über den Moment hinaus Bestand hätte. Die Konstruktion ist wacklig wie ein Kartenhaus, viel zu filigran, um ein Schwergewicht wie dieses Franchise zu tragen. War bereits Rebellion der Maschinen ein deutlicher Rückschritt gegenüber den sorgfältigen und vor allem schlicht aufregenden Cameron-Filmen, unterbietet Die Erlösung seinen enttäuschenden Vorgänger nochmals. Es gibt immer noch ein paar interessante Ideen und einen zumindest erkennbaren Willen, die Reihe nicht gänzlich ad absurdum zu führen, aber am Ende des Tages ist der vierte Teil der Saga ein 08/15-Actionfilm der neueren Spielart, visuell und inszenatorisch austauschbar und dementsprechend mau. Die Erlösung hätte wohl noch sehr viel schlechter ausfallen können. Nur bedauerlicherweise auch sehr viel besser.



Montag, 11. August 2014

Terminator 3 - Rebellion der Maschinen (2003)




TERMINATOR 3 – REBELLION DER MASCHINEN
(Terminator 3: Rise of the Maschines)
USA 2003
Dt. Erstaufführung: 31. Juli 2003
Regie: Jonathan Mostow

Es gibt zwei Herangehensweisen an Terminator 3. Sieht man ihn als reinen Actionfilm, dann offeriert er durchaus mit Spaß an der Sache durchgeführte Set Pieces, die in ihrer wilden Zerstörungswut bei gleichzeitig sparsamen Einsatz von Computereffekten unterhaltsam daherkommen. Als Beitrag zur Terminator-Reihe, die 1984 von James Cameron aus der Taufe gehoben und 1991 hervorragend fortgeführt wurde, ist er zum Scheitern geradezu verurteilt, nimmt das Drehbuch doch mit bemerkenswerter Konsistenz immer die genau falschen Ausfahrten. Terminator 3 ist ein Terminator-Film für all jene, die sich für das Franchise eigentlich nicht wirklich interessieren.

Das Jüngste Gericht wurde wieder einmal aufgeschoben. John Connor (Nick Stahl) ist inzwischen erwachsen und lebt ohne Sozialversicherungsnummer als gesellschaftlicher Geist von einem Tag zum nächsten, immer in Furcht vor einem erneuten Auftauchen der Killermaschinen aus der Zukunft; Mutter Sarah ist inzwischen an Leukämie gestorben. Doch die Vergangenheit/Zukunft gibt keine Ruhe, und so schickt der Über-Compurer SkyNet erneut einen Terminator durch die Zeit, diesmal um Johns zukünftige Kommandoelite zu töten. Das Modell der TX-Reihe kommt in verführerischer Gestalt (Kristanna Loken) daher, doch auch Johns zukünftiges Ich hat vorgesorgt und erneut einen Beschützer in altbekannter Form (Arnold Schwarzenegger) hinterhergeschickt. Nun gilt es nicht nur zu überleben, sondern auch die endgültige Bewusstwerdung SkyNets zu verhindern…

Terminator 3 ist der Teil für eine Post-Moderne Welt, wenn man so will. Anstatt die Geschichte in einer sinnvollen Form voran zu bringen, wird lieber ironisch vor allem auf den zweiten Teil verwiesen. Die Beschaffung von Kleidung, die in Terminator 2 noch in einer martialischen Bikerbar stattfand, wird hier in ein Etablissement verlagert, in dem gerade Ladies Night herrscht und ein nackter Muskelberg wie Schwarzenegger ganz neu in Relation gesetzt wird. Das mag ganz unterhaltsam sein, ist letztlich aber doch zu sehr auf einen schnellen Effekt aus, der einzig eine sehr oberflächliche Kenntnis der vorangegangenen Teile offenbart. Schon dem Director’s Cut von Terminator 2 stand das Mehr an Humor nicht gut zu Gesicht und man hat das Gefühl, Regisseur Jonathan Mostow (Breakdown) wolle in seinem nicht einmal zwei Stunden langen Film möglichst genauso viele „Gags“ wie Cameron unterbringen.

Das grundsätzlichste Problem aber ist die Entstehungszeit von Terminator 3. Die technische Entwicklung zwingt ihm eine „zeitgemäße“ Interpretation von SkyNet auf, die die Prämisse teilweise ad absurdum führt. Auf einmal ist der stets im Hintergrund operierende Antagonist kein stationärer Computer mehr, der aus einer uneinnehmbaren Festung aus die Menschen zu vernichten droht, sondern eine Art Computervirus, dass sich dezentral Macht und Ressourcen verschaffen kann. Das mag eine durchaus sinnige Interpretation für das digitale Zeitalter sein, passt aber nicht so ganz zu der Körperlichkeit, die die Terminator-Filme stets ausgezeichnet hat. Es waren immer die Körper, organische, kybernetische, künstliche, die sich bekriegten, ein zentrales Computergehirn war demnach eine sinnvolle und durchaus potente Idee. In zwei Filmen gelang es Cameron, dem Zuschauer eine Vorstellung von SkyNet zu geben, auch wenn der Gegenspieler nie in Erscheinung trat. Da kommt die Vorstellung, die künstliche Intelligenz, die die Menschen prophylaktisch auszulöschen gesucht, sei nur ein unangreifbar im Netz umherfliegendes Etwas, fast wie eine Antithese daher. Ganz davon abgesehen, dass das ständige aufschieben der prophezeiten Ereignisse auch nicht einer gewissen Verzweiflung entbehrt. Man will noch ein bisschen mit den Terminatoren in der jeweiligen Gegenwart spielen, da kommt die Apokalypse ungelegen.

Immerhin muss man dem Film anrechnen, dass er am Ende konsequent wird und sich keine erneute Möglichkeit aufhält, einen ähnlich gelagerten Film nachzuschieben, der irgendwann wohl darin gemündet hätte, dass Terminatoren den greisen John Connor im Altersheim überfallen hätten. Terminator 3 zeigt das, was seit 1984 im Raum stand, wenn auch nicht im Entferntesten auf solch eine schockierende Art wie es die Traumsequenz in Tag der Abrechnung getan hat. Hier zeigt sich, dass der Film einen gewissen dramaturgischen Willen mitbringt, die menschlichen Ankerpunkte allerdings vernachlässigt. Man muss es sagen: Nick Stahl ist eine Fehlbesetzung als Führer der kommenden Revolution gegen die Maschinen, ein armes Würstchen, dass rein gar nichts von dem Jungen hat, den man in Terminator 2 kennenlernte. Mutter Sarah wird sang- und klanglos aus der Geschichte geschrieben und die Beziehung von John und seine zukünftigen Frau Kate Brewster (Claire Danes) bleibt farblos.

Als Film der Schauwerte ist Terminator 3 durchaus gefällig. Eine Verfolgungsjagd in der Stadt, in der eine Vielzahl an Autos und ein Kranlaster beteiligt sind, war 2003 eine der besten Actionsequenzen des Kinojahres, schon allein, weil sie sich offen-hemmungslos an der sinnlosen Zerstörung frönte. Die Lust an der Kinetik hat etwas Entwaffnendes und Mostow beweist zumindest auf diesem Terrain Talent. So ist Terminator 3 auch nach der Analyse das, was eingangs bereits erwähnt wurde: ein gut aufgelegter B-Actionfilm, der wirkt, als hätten sich nur zufällig ein paar Terminator-Elemente in ihn verirrt. Als Genrefilm ist das okay, als Franchisebeitrag viel zu wenig.



Montag, 4. August 2014

Terminator 2 - Tag der Abrechnung (1991)




TERMINATOR 2 – TAG DER ABRECHNUNG
(Terminator 2: Judgement Day)
USA/Frankreich 1991
Dt. Erstaufführung: 24. Oktober 1991
Regie: James Cameron

Terminator 2 ist die vielleicht unterhaltsamste Redundanz der Filmgeschichte, da der Film viele Punkte aus Terminator einfach mit leicht veränderten Vorzeichen erneut erzählt. Wieder muss die Zukunft der Menschheit durch eine Zeitreise vor einem feindlichen Übergriff geschützt werden, wieder gibt es atemlose Fluchten in einem inszenatorisch schweißtreibenden Tempo serviert, wieder generiert Regisseur James Cameron eine überzeugende Atmosphäre der Dringlichkeit. Je nach Quelle wird dieser oder der erste Teil als bester Beitrag zur Reihe gehandelt und es ist wohl auch nur ein marginaler Unterschied, da beide Filme exzellente Genrebeiträge darstellen. Terminator 2 mag „familienfreundlicher“ daherkommen, indem er selbst der Killermaschine aus dem Vorgänger hier ein Mindestmaß an Empathie zugesteht und die beengende Ausweglosigkeit des Originals mit Elementen des Road-Movies auflockert, aber letztlich geizt auch Teil Zwei nicht mit albtraumhaften Bildern. Er mag insgesamt etwas leichter zu konsumieren sein als Terminator anno 1984, aber weniger erfolgreich ist er dadurch nicht. Terminator 2 ist filmgewordene Kinetik.

Sarah Connor (Linda Hamilton), die „Mutter der Rebellion“, hat inzwischen ihren Sohn John (Edward Furlong) bekommen und zehn Jahre sind ins Land gegangen. Während Sarah aufgrund des unausweichlich erscheinenden Krieges zwischen Mensch und Maschine zusehends paranoider und in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht wurde, lebt John bei Pflegeltern (Jenette Goldstein und Xander Berkeley) und ist mit seinen zehn Jahren bereits ziemlich versiert auf dem Gebiet der Kleinkriminalität. Aus dem Jahr 2029 wird derweil erneut ein Terminator geschickt, um die Mission zu beenden, die das Original 1984 nicht erfüllen konnte: die Eliminierung von John Connor, dem zukünftigen Anführer der Resistance gegen die Maschinen. Dieses Modell nennt sich T-1000 (Robert Patrick), besteht aus flüssigem Metall und ist weitaus effizienter als all seine Vorgänger. Doch just so ein Modell (Arnold Schwarzenegger) wird ebenfalls zurückgesandt, umprogrammiert von John, um ihn als Kind vor dem Zugriff des T-1000 zu schützen. Diesmal stellt sich nicht nur die Frage, wer von beiden das Ziel als Erster erreicht, sondern auch, ob sich die drohende Bewusstwerdung des Skynet-Systems, dass alle Menschen als Bedrohung einstufen wird, noch rechtzeitig verhindern lässt.

Roger Ebert, der US-Kritikerpapst, brachte es süffisant auf den Punkt: „Niemand wird sich darüber beschweren können, nicht genug Action gesehen zu haben.“ Fürwahr, Terminator 2 ist, ähnlich wie der ebenfalls von Cameron inszenierte Aliens – Die Rückkehr, einer der besten Genrebeiträge überhaupt, ein rasantes Werk, dass es versteht, all die funktionierenden Elemente des ersten Teils zu bewahren und – was in der Natur der Sache liegt – noch auszubauen. Die Actionsequenzen sind noch größer, noch wohlkomponierter, die Charakterisierung funktioniert nach den gleichen Mechanismen wie in Terminator, ebenso die sehr unmittelbare Inszenierung. Cameron weiß geradezu traumwandlerisch, welche Knöpfe er drücken muss. Wer dies manipulativ nennt, dem sei der Vergleich mit Michael-Bay-Filmen wie Transformers ans Herz gelegt. Während der eine weiß, wie man mehr aus einem Film herausholt als die Summe seiner Teile vermuten lässt, schafft es der andere das genaue Gegenteil. Cameron ist ein ehrlicher Regisseur und es ist diese direkte, schnörkellose, mit Elan durchgeführte Art, die die recht einfach gehaltenen Konstellationen in Terminator 2 funktionieren lässt.

Etwas mehr Augenmerk legt Terminator 2 auf die in Teil Eins eher angedeutete und (budgetbedingt) klaustrophobische Apokalypse. Das mehr an Geld konnte in die Darstellung einer düsteren Zukunftsvision gesteckt werden, die beklemmend ist, aber nicht zu vergleichen mit der Illustrierung von Sarahs Alptraum über den Abwurf der ersten Bombe. Dank des Zusatzmaterials der Heimmedien weiß man, dass auch die Künstler, die an dieser Sequenz arbeiteten und die die Einäscherung einer Menschengruppe auf einem Spielplatz beinhaltet, nach Beendigung ziemlich mitgenommen waren. Ähnlich ergeht es dem Zuschauer. Das Bild eines brennenden Spielplatzes als Sinnbild einer gänzlich verlorenen Unschuld mag an sich etwas plakativ sein, aber wenn die Bombe fällt und Eltern und Kinder innerhalb kürzester Zeit verbrennt, um ihre Asche dann von einer Druckwelle hinweggefegt zu wissen, dann ist das eins, wenn nicht das zentrale Bild des Films. Dies führt nicht nur zu einem tieferen Verständnis für Sarah (wer würde nicht zu extremen Mitteln greifen, um solch eine Zukunft nicht Wirklichkeit werden zu lassen?), es eröffnet auch gänzlich neue Interaktionsspielräume mit der neuen Figur Miles Dyson (Joe Morton), dessen Forschungen die Herrschaft der Maschinen erst ermöglichen. Terminator 2 ist clever genug, ihn nicht als Antagonist zu zeichnen, sondern als Menschen, dessen Werk allzu leicht missbraucht werden kann.

Die beste neue Figur aber ist Robert Patricks T-1000, den vom ersten Moment eine Aura der Gefahr umgibt und der trotz seiner körperlich weniger präsenten Erscheinung im Vergleich mit dem älteren Modell eine ähnliche Bedrohungskulisse aufzubauen vermag wie Schwarzenegger im ersten Teil. Einzig seine bloße Existenz und sein reisen durch die Zeit wirft einige sehr offensichtliche Fragen auf: Warum hat man nicht sofort einen T-1000 ins Jahr 1984 geschickt? War man so davon überzeugt, ein Muskelberg wie der T-800 würde weniger auffallen? Und wie ist die Reise überhaupt möglich, wenn Reese im ersten Teil doch erwähnte, die Zeitmaschine wäre nach seinem Durchtreten vom zukünftigen John Connor zerstört worden? Ganz besonders beim zeitnahen Sichten beider Filme fallen diese Fragen, gerade letztere, ins Gewicht, auch wenn sie das Vergnügen an der Narrative an sich nur kurzfristig irritieren. Die damals bahnbrechenden Morphing-Effekte aus dem Computer halten sich auch heute noch sehr gut und in den entscheidenden Momenten wird ohnehin auf gute alte tricktechnische Handwerkskunst zurückgegriffen.

Am Ende des Tages kann man es auf folgende Fragestellung herunterbrechen: war man vollkommen fasziniert von der düsteren, beengenden Atmosphäre des ersten Films? Oder präferiert man die mehr oder minder gleiche Handlung mit etwas Humor „aufgepeppt“ (der Director’s Cut des Films tut ihm im Übrigen dahingehend keinen Gefallen, die Kinoversion ist stringenter, da sie sich von allen unnötigen Comedyeinlagen befreit hat)? Je nachdem, in welche Richtung man mehr neigt, wird man auch in punkto der Terminator-Filme seinen Favoriten heraussuchen. Doch eigentlich sind die Unterschiede nicht so groß, wie sie auf den ersten Blick scheinen. So oder so ist Terminator 2 ein grandioses Spektakel, in vielen Belangen die Quintessenz des Genres.



Montag, 28. Juli 2014

Terminator (1984)




TERMINATOR
(The Terminator)
USA/Großbritannien 1984
Dt. Erstaufführung: 15. März 1985
Regie: James Cameron

Sie gehört zu den beliebtesten Anekdoten der Filmgeschichte, die Sage von der Entstehung von Terminator. Die todbringende Maschine aus der Zukunft sei hinter Regisseur und Drehbuchautor James Cameron in einem Fiebertraum her gewesen und dieser kanalisierte seine Angst in der späteren Filmhandlung. Diese wies derartig unbestreitbare Parallelen zu zwei von Harlan Ellison verfassten Outer Limits-Folgen aus den 1960er Jahren auf, dass dieser gegen Cameron wegen Ideenklau ins Feld zog, was zur Folge hatte, dass Ellison nun prominent im Abspann genannt werden muss. Es wird immer viel über den Plagiatsvorwurf und den Rechtsstreit berichtet, weniger über die Prämisse hinter den Fakten. Wenn Camerons Unterbewusstsein im Fieber Bildfetzen aus einer zurückliegenden TV-Serie hervorbrachte, um diese in ein akutes Bedrohungsszenario umzuwandeln, spricht das in erster Linie für die interessanten Wege, die das Gehirn manchmal nimmt und für die Potenz hinter Ellisons Story. Dem Bild wohnt eine Dringlichkeit inne und dies spürt man auch bei Camerons Film. Ähnlich wie bei Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt mögen diverse Elemente aus anderen Quellen stammen, aber genau wie Ridley Scott macht James Cameron sie zu seinem ganz eigenen Spielplatz. Terminator ist ein rastloser Film und ein hervorragend ausgeführter noch dazu.

Im Jahr 2029 hat ein Nuklearkrieg, ausgelöst von Maschinen, die ein eigenes Bewusstsein entwickelt haben, die Menschheit an den Rand der Vernichtung gebracht. Die letzten Reste kämpfen einen aussichtlos erscheinenden Kampf gegen die Aggressoren, die in jedem Menschen eine potentielle Bedrohung sehen. Als sich ein Wendepunkt zugunsten der Menschen abzeichnet, schicken die Maschinen einen Terminator (Arnold Schwarzenegger), einen kybernetischen Organismus, mithilfe einer Zeitmaschine zurück ins Jahr 1984, um dort die Mutter des zukünftigen Anführers der Rebellion zu eliminieren, noch bevor sie ihn empfangen kann. Diese Sarah Connor (Linda Hamilton) führt ein recht ereignisloses Leben, das durch die Ankunft des unzerstörbar erscheinenden Cyborgs schnell aus den Fugen gerät. Doch die menschliche Resistance der Zukunft hat einen der ihren (Michael Biehn) ebenfalls zurückgesandt, um Sarah vor dem Terminator zu schützen. Es ist nur die Frage, welcher von beiden sie früher erreicht…

Terminator, in Deutschland lange mit einem etwas schmuddeligen Image eines reinen Gewaltfilms behaftet, ist inzwischen vom Index verschwunden und auch ungekürzt ab 16 freigegeben. Das darf man ruhig auch als Schutz für den Film selbst verstehen, denn so ist er nicht nur vor einer weiteren Indexierung geschützt, sondern für Filmfreunde auch leichter zugänglich. Denn filmhistorisch relevant ist Camerons perfekt komponiertes Werk schon längst.
Nimmt man die Fieber-Fabel als Ausgangspunkt kann man nur konstatieren, dass Cameron es schafft, die unaufhaltsame Bedrohung, die aus der Prämisse erwächst, auf die Leinwand zu bringen. Terminator duldet keine Ruhepausen, selbst wenn sich der Film eine Auszeit von der Action und der lauernden Gefahr nimmt, glimmt die Atmosphäre beständig weiter, jederzeit bereit, einen neuen Flächenbrand auszulösen. Mit einer Lauflänge nur unwesentlich über 90 Minuten trabt der Film mit einem teils irrsinnigen Tempo dahin, peitscht seine Geschichte voran und lässt kaum Zeit zum Atemholen. Dabei ergeht sich Cameron gar nicht in ständigen Verfolgungsjagden oder ähnlichem, aber es ist das perfekt eingefangene Gefühl der Ausweglosigkeit, des Nicht-zur-Ruhe-kommen-dürfens, dass Terminator wie eine filmische Stampede wirken lässt.

Terminator war nach Fliegende Killer – Piranha II die zweite Regiearbeit von James Cameron und sollte die Elemente festigen, die seither immer wieder in seinen Filmen auftauchen: eine einfache, aber höchst effektive Geschichte verbunden mit Camerons Gespür für prägnante (wenn auch nicht tiefschürfende) Charakterisierung, die technisch virtuose Umsetzung bei einem nicht zu leugnenden Materialfetischismus. Cameron ist fasziniert von überlebensgroßer Technik, dies sollte er mit seiner nächsten Arbeit, Aliens – Die Rückkehr, noch mehr zelebrieren. Auch wenn man Terminator im Vergleich mit den folgenden Teilen das geringere Budget etwas ansieht, gelingt es dennoch, eine klaustrophobische Vision der Zukunft auf die Beine zu stellen, in der eben jene Technik den Menschen zu zerquetschen droht. In Zeiten von Smartphones und Tabletcomputern mag die brachiale Dystopie aus dem Jahre 1984 klobig wirken, aber die Grundidee hat nichts von ihrem Potenzial verloren. Alle nachfolgenden Phantasien zum Thema Maschinenrebellion sind zumindest in geistiger Verwandtschaft zu Camerons Vision. So sind die Effekte exzellent gealtert, selbst der künstliche Kopf Arnold Schwarzeneggers, der in der berühmt-berüchtigten Szene zum Einsatz kommt, in der der Terminator sich das beschädigte menschliche Auge herausoperiert, hat trotz seiner artifiziellen Anmutung ein hohes Potenzial für Unbehagen. Und wenn sich die Maschine am Ende, befreit vom menschlichen Fleisch, per Stop-Motion-Animation auf die Jagd begibt, gereicht diese Technik dem Eindruck von nicht-menschlicher Künstlichkeit zu aller Ehre.

Über die Paradoxien des Zeitreiseplots muss man kaum noch Worte verlieren, die innewohnenden Logiklöcher sind offensichtlich und viel diskutiert. Nimmt man die Zeitreise als reines plot device an, so offenbart sich Cameron als augenzwinkernder Kommentator gegenüber den dem Konzept innewohnenden Unstimmigkeiten. So kann Reese, der Soldat aus der Zukunft, nur allgemeine Angaben zur Funktionsweise der Maschine geben und reagiert auf technische Nachfragen pragmatisch: „Was weiß ich, ich habe das Ding nicht gebaut“.

Terminator ist ein großartiger Actionfilm, der das Genre vollends verstanden und verinnerlicht hat. Getragen von einem in sich logischen, gut konstruiertem Drehbuch und motivierten Schauspielern (wobei Schwarzeneggers deutsche Synchronstimme seiner eigentlichen Stimme immer vorzuziehen ist), bewegt sich der Film schweißtreibend voran, ist dabei dringlich und unterhaltsam, clever und spannend. Andere Regisseure mögen bessere Charakterisierungen und ausgefeiltere Storys bieten, aber Cameron sollte hier zum ersten Mal auf breiter Basis beweisen, dass er das Medium Film als solches und den Actionfilm im besonderen schlicht versteht und virtuos beherrscht.