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Montag, 26. Mai 2014

Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf (1998)




LETHAL WEAPON 4 – ZWEI PROFIS RÄUMEN AUF
(Lethal Weapon 4)
USA 1998
Dt. Erstaufführung: 13.08.1998
Regie: Richard Donner

Sechs Jahre sollte es dauern, bis Richard Donner als Regisseur und seine komplette Besetzung nach dem misslungenen dritten Teil wieder zusammenkamen, um einen vierten Teil der 1987 gestarteten Lethal Weapon-Reihe auf die Beine zu stellen. Das gesamte Projekt umschwirrt die Aura von „Wir wollen es nochmal wissen“ und wenn man wohlwollend auf das Endprodukt schaut, kann man vielleicht auch zum Schluss kommen, dass dies geglückt sei. In der Kernkompetenz der Serie, den Actionszenen, gibt es tatsächlich wieder mehr zu bestaunen als im Vorgänger. Mel Gibsons Kampf in einem transportablen Musterhaus, der sich irgendwann halsbrecherisch auf die Schnellstraße verlegt, ist unterhaltsamer als alles, was Lethal Weapon 3 dem Zuschauer offerierte, ebenso wie die Szene mit einem Rabbi, der eine christliche Pseudo-Trauung vornehmen soll, witziger als alles ist, was man im 1992er-Aufguss gesehen hat. Lethal Weapon 4 hat seine Momente, entspricht aber sonst genau dem Lehrbuch für aufgeblasenen Blockbusterunterhaltung. Einige Fehler vor allem aus Teil Drei, werden bemüht ausgebügelt, was den Film aber nicht davon abhält, ganz neue zu produzieren.

Das Alter macht inzwischen auch nicht vor Riggs (Mel Gibson) halt – er spürt, ganz wie sein Partner Murtaugh (Danny Glover), dass ihm die Polizeiarbeit auf der Straße nicht mehr so leicht von der Hand geht wie früher. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Riggs‘ Freundin Lorna Cole (Rene Russo) ist schwanger, ebenso wie Murtaughs Tochter Rianne (Traci Wolfe), die ihre Ehe mit dem neuen Polizisten beim LAPD, Lee Butters (Chris Rock) allerdings vor dem Vater geheim hält, hat dieser ihr doch immer gepredigt, sich nie mit Cops einzulassen. All dies hindert die zwei natürlich nicht daran, wieder einmal in Schwierigkeiten zu geraten. Zufällig kommen sie einem chinesischen Menschenschmugglerring der Triaden auf die Spur, der vom aalglatten „Onkel Benny“ (Kim Chan) geleitet wird. Doch als viel gefährlicher erweist sich dessen rechte Hand Wah Sing Ku (Jet Li), ist er doch auf sehr persönlicher Ebene in die illegalen Machenschaften verwickelt und da kommt ihm eine polizeiliche Einmischung nicht sonderlich gelegen…

Lethal Weapon 4 ist ein schönes Beispiel für das Baukastenprinzip, nach dem viele große Sommerfilme aus den USA funktionieren. Das amerikanische Mainstreamkino entdeckte Ende der 1990er Jahre fernöstlichen Kampfsport für sich – und so wird in diesem Film mehr Martial-Arts gezeigt, als gut für ihn ist. Jet Li kickt sich die Seele aus dem Leib und natürlich ist jeder Handlanger im Dienste der Triaden zu ähnlichen Aktionen fähig, um den Helden das Leben schwer zu machen. Als sonderlich sensibel haben sich die Lethal Weapon-Filme noch nie gezeigt und auch der vierte Teil bedient diverse kulturelle Klischees, die durch die überzogene Regie nur bedingt als comichafte Überzeichnungen entlarvt werden.
Ansonsten wird die Homophobie, die im ersten Teil durch diverse Aussprüche Riggs‘ präsent war, wieder aus der Mottenkiste geholt, wenn Murtaugh dank Riggs‘ vagen Andeutungen glaubt, Lee Butters wäre schwul und an ihm interessiert. Überhaupt trifft es Murtaugh wieder einmal am härtesten, dient er doch in erster Linie als Zielscheibe für die Scherze seines Partners, wird ständig vorgeführt und die zur kruden Tradition gewordene partielle Zerstörung seines Hauses wird auf die traurige Spitze getrieben. Aber in der Logik des Films ist es ja kein Problem, ein Heim mit allen Erinnerungen aus Jahrzehnten des Zusammenlebens zu verlieren, wenn die Ehefrau (Darlene Love) unter einem Pseudonym schwülstige Romane schreibt und damit viel Geld verdient. Das Gefühlsleben der Figur Roger Murtaugh, erst recht das seiner Familie, ist größtenteils nur noch behauptet und am Ende wird sein Charakter nicht einmal mit einer Katharsis belohnt, weil man meinte, Riggs wäre ein besserer Gegner für Wah Sing Ku. Lethal Weapon 2 war gerade in dieser Hinsicht sehr viel sinniger konstruiert.

Doch Murtaugh ist nicht der einzige Charakter, mit dem das Drehbuch von Channing Gibson (TVs Murder One) wenig anfangen kann. Wenn man Lorna Cole im dritten Teil noch als Versuch werten konnte, dem Testosteronüberschuss etwas entgegenzusetzen, ereilt sie hier das gleiche Schicksal wie alle Frauenfiguren in der Reihe: sie wird in den Hintergrund degradiert. Cole kann sich bei einem Angriff zwar noch wehren, aber auch sie wird auf den Gemeinplatz der Mutter und sorgenden Ehefrau verwiesen. Frauen haben in der Lethal Weapon-Welt nicht viel zu tun. Auch Joe Pesci als Leo Getz ist ein schwankender Charakter, der wie ein plot device immer dann zur Stelle ist, wenn man ihn für ein Ablenkungsmanöver oder auch nur für einen schalen Scherz braucht. So geht der Versuch, aus ihm am Ende eine Art spirituelle Leitfigur zu machen ebenso schief, wie ihm schon wieder einen neuen Job als Privatdetektiv angedeihen zu lassen. Als neuer Charakter Lee Butters ist Chris Rock wie üblich ziemlich nervtötend und Jet Li ist der stereotype „böse Asiate“.

Zumindest kann man Lethal Weapon 4 zugutehalten, dass er sich flott bewegt und das auch nicht in solchen Kreisbewegungen wie sein Vorgänger. Genügsam unterhaltend ist das Ganze ja immer noch, nur das sorgfältig komponierte Drehbuch fehlt, ebenso wie eine gewisse Sensibilität für die involvierten Charaktere. Standardisiert ist hier fast alles und das noch lohnenswerte und das weniger erfolgreiche Material halten sich gegenseitig in Balance. Lethal Weapon 4 ist insgesamt etwas ansehnlicher als Teil Drei, aber weit entfernt vom Einstieg oder Teil zwei, dem besten Beitrag zur Reihe. Sollte es jemals einen fünften Teil geben, täte man gut daran, sich wieder an diese Zeiten zu erinnern. Denn so, wie sich Riggs und Murtaugh hier präsentieren, sind sie nur müde Erinnerungen an eine Zeit, in der Actionfilme dieser Art zumindest ein Grundmaß an erzählerischer Kohärenz aufweisen konnten. Oder wenigstens durchgängig Spaß machten.



Montag, 19. Mai 2014

Lethal Weapon 3 - Die Profis sind zurück (1992)




LETHAL WEAPON 3 – DIE PROFIS SIND ZURÜCK
(Lethal Weapon 3)
USA 1992
Dt. Erstaufführung: 27.08.1992
Regie: Richard Donner

Der Vorwurf, unverhohlen staatlich legitimierte Gewalt zu zelebrieren, begleitet die Lethal Weapon-Reihe seit ihrem ersten Teil aus dem Jahre 1987. Nun gehört dies bis zu einem gewissen Grad zum Actiongenre, der sonntägliche Tatort-Zuschauer will ja auch nicht Polizeiarbeit sehen, wie sie in der Realität funktioniert. Die Protagonisten in diesem Genre sind immer auch eine Verlängerung einer dem Menschen wahrscheinlich innewohnenden Law & Order-Mentalität: wenn jemand etwas getan hat, dass die Mehrheit als verwerflich ansieht, dann dürfen die Helden diesen Schurken auch verdammt nochmal bestrafen, ohne dass ihre grundsätzliche Integrität angetastet wird. So geht es für den Zuschauer in Ordnung, wenn Murtaugh am Ende des zweiten Teils einen Diplomaten erschießt, wenn dieser seine Immunität aufs gröbste missbraucht hat. Das ist zunächst eher weniger mit einem Rechtssaat in Einklang zu bringen, wirkt aber im Kontext des Films. Das Actionkino befriedigt den zugegebenermaßen reichlich archaischen Wunsch nach schneller Rechtsprechung, ja, nach Selbstjustiz. Die Kunst dabei ist, die involvierten Figuren nicht in einem schlechten Licht dastehen zu lassen, sie dürfen erst im Showdown rohe Gewalt anwenden, weil man als Zuschauer ja miterlebt hat, dass zuvor alle Bemühungen um eine friedlichere Lösung gescheitert sind. Der Tod des Schurken ist die Katharsis, die uns den Glauben an eine grundlegende Gerechtigkeit zurückgibt. Es wäre schön, wenn auch Lethal Weapon 3 unter diesen Gesichtspunkten gesehen werden könnte, aber in diesem Fall gilt der Ausspruch „Aller guten Dinge sind Drei“ nicht. Die Reihe verliert diesmal nicht nur an erzählerischer Relevanz, sondern auch die Hauptfiguren büßen bemerkbar Sympathiepunkte ein. Lethal Weapon 3 ist eher Rückentwicklung denn Evolution.

Nachdem sie ihre eigenen Kompetenzen weit überschritten haben, werden Martin Riggs (Mel Gibson) und der kurz vor der Pensionierung stehende Roger Murtaugh (Danny Glover) zum Streifendienst geschickt, bei dem sie natürlich sofort in neue Schwierigkeiten geraten. Ein versuchter Bankraub führt sie so auf die Spur des Ex-Polizisten Jack Travis (Stuart Wilson), der sich nun mit dem illegalen Verkauf von Waffen beschäftigt. Zusammen mit der taffen Lorna Cole (Rene Russo) und immer wieder unterbrochen von Scharmützeln mit dem nun als Immobilienmakler tätigen Leo Getz (Joe Pesci) machen die Zwei sich daran, Travis das Handwerk zu legen.

Riggs und Murtaugh sind hier mehr Karikaturen als jemals zuvor. Wenn man Scherze auf Kosten Murtaughs Alter noch durchwinken mag, zeichnen sich beide aber auch durch eklatante Dummheit (vor allem zu Beginn des Films) und offensivem Amtsmissbrauch aus, während Riggs‘ sich zu seinem Nachteil wieder der Figur aus Teil Eins annähert. Die Charaktere profitieren nicht mehr so voneinander, wie sie es noch in Lethal Weapon 2 getan haben, Riggs will wieder seinen Süchten frönen und wirkt über weite Teile erneut so unkonzentriert und unberechenbar wie am Beginn der Serie. Und dann wäre da eben die Sache mit der allgegenwärtigen Gewalt gegen alles und jeden. Murtaugh und Riggs scheinen kein Problem mehr damit zu haben, wirklich jeden, der ihnen in irgendeiner Form nicht passt, Kraft ihres Amtes in die Knie zu zwingen. Regisseur Richard Donner möchte, dass wir darüber lachen, doch meistens wirken diese Szenen eher unangenehm, zumal die Motivation mitunter einfach nur Vergnügungssucht auf Kosten anderer ist. Erfreuliche Gesellen werden die beiden Hauptfiguren dadurch nicht, man bekommt eher Probleme, ihren Dramen, vor allem Murtaughs Entsetzen darüber, dass er einen Jugendlichen in Notwehr getötet hat, gebührend zu würdigen. Wobei fairerweise gesagt werden muss, dass Murtaugh aus dem Schlamassel, das der dritte Teil darstellt, besser hervorgeht als Riggs. Dessen Beziehung mit der neuen Figur Lorna Cole wirkt dann auch noch forciert und reichlich mäßig legitimiert. Nicht nur, dass Riggs‘ verstorbene Ehefrau nicht weiter erwähnt wird, die plakativ als Hass-Liebe eingeführte Beziehung zwischen Cole und Riggs wechselt die Ebenen, wann immer dem Drehbuch von Jeffrey Boam und Robert Mark Kamen danach ist. Immerhin hat man den Einsatz des Plappermauls Leo Getz zurückgefahren, auch wenn Joe Pesci auf dem Filmplakat erwähnt wird. Anstrengend ist seine Figur immer noch, sorgt aber wenigstens für ein paar gute Gags, als er einem Paar versucht, das Haus der Murtaughs zu verkaufen.

Letztlich muss man auch sagen, dass die Story um einen abtrünnigen Polizisten, der mit Waffen handelt, nach der Apartheids-Geschichte aus Teil Zwei weit weniger relevant daherkommt, verstärkt nur noch durch die Tatsache, dass sie auch recht lustlos inszeniert wurde. Es gibt immer noch viel Action in Lethal Weapon 3, die aber weniger mitreißt als in den Vorgängern und selbst in der besten Sequenz, einer Verfolgungsjagd ziemlich zu Beginn, die eigene Relevanz durch den Einsatz der unglaublich furchtbaren Klischeefigur Delores (Delores Hall) beständig torpediert. Das Stereotyp der frechen, street-wise schwarzen „Mamma“ – dies ging den Autoren durch den Kopf, als sie darüber nachdachten, wie sie die Sequenz interessanter machen könnten? Das muss ein wenig erquicklicher Tag in der Schreibstube gewesen sein.

Lethal Weapon 3 ist Genre-Standardware durch und durch, ziemlich unkreativ in der Ausführung, routinemäßig in der Regie und dank des schwachen Drehbuchs auch nicht sonderlich unterhaltsam. Nie hat man das Gefühl, dass der Film irgendwo ankommt, als würde er sich beständig um sich selbst drehen. Hier zeigt es sich, dass selbst das Duo Riggs/Murtaugh zu nicht mehr als Durchschnitt fähig ist, wenn man ihnen nicht zumindest ansatzweise interessantes Material zum abarbeiten an die Hand gibt.



Montag, 12. Mai 2014

Lethal Weapon 2 - Brennpunkt L.A. (1989)




LETHAL WEAPON 2 – BRENNPUNKT L.A.
(Lethal Weapon 2)
USA 1989
Dt. Erstaufführung: 28.09.1989
Regie: Richard Donner

Es ist eine Binsenweisheit, dass die Fortsetzung eines Werkes, besonders eines Films, in der Regel nicht so gut ist wie das Original. Dies mag bei Speed zutreffen, bei den Tremors-Filmen oder auch in punkto der Stirb langsam-Reihe, aber die Gegenbeispiele sind Legion. Das Imperium schlägt zurück ist besser als Krieg der Sterne, Mad Max 2 – Der Vollstrecker macht mehr Spaß als Mad Max und auch Lethal Weapon 2 stellt seinen Vorgänger in den Schatten. War der erste Teil ein in vielen Punkten noch unausgegorenes Werk, das unter einer gewissen emotionalen und inszenatorischen Inkohärenz litt, ist Teil 2 das, was der geneigte Zuschauer von einem gelungenen Actionfilm erwartet. Das Drehbuch von Jeffrey Boam schafft es, besser mit den von Shane Black erdachten Figuren und Situationen umzugehen, als es Black selbst zustande brachte. Allein das ist schon eine bemerkenswerte Überraschung.

Das ungleiche Paar Roger Murtaugh (Danny Glover) und Martin Riggs (Mel Gibson) haben sich inzwischen zusammengerauft, sind Freunde und verlässliche Partner im Einsatz auf den Straßen Los Angeles‘ geworden. Als sie den Zeugen Leo Getz (Joe Pesci) beschützen sollen, erfahren sie, dass er nicht nur Drogengeld in Millionenhöhe gewaschen hat und nun aussteigen will, sondern auch, dass die Drogen von dem südafrikanischen Diplomaten Arjen Rudd (Joss Ackland) unters Volk gebracht werden. Dank der diplomatischen Immunität sind sie quasi unantastbar. Doch Riggs und Murtaugh sind fest entschlossen, ihm und seinem wichtigsten Gehilfen, Pieter Vorstedt (Derrick O’Connor), das Handwerk zu legen. Allerdings bringt sie ihr hitzköpfiges Vorgehen zusehends in Teufels Küche…

Die Handlung ist gewohnt dünn und schon wieder geht es um Drogenschmuggel, diesmal nur von Diplomaten anstelle von Vietnamveteranen begangen. So weit, so bekannt. Dennoch wirkt Lethal Weapon 2 frischer und aktiver als sein Vorgänger, demonstriert er doch ein ungeahntes Maß an Spielfreude und der Vorführung von genüsslich zelebrierten, überlebensgroßen Momenten. Wenn Riggs mit seinem Auto ein ganzes auf einer waghalsigen Konstruktion stehendes Haus zum Einsturz bringt, dann ist das im gleichen Maße grandios wie bekloppt. Lethal Weapon 2 hat ein untrügliches Gespür für das Genre und arbeitet gekonnt mit den Versatzstücken.

Dazu gehört selbstredend auch eine vereinfachte Zeichnung der Welt. Lethal Weapon 2 ist aus heutiger Sicht ein Fenster in die Vergangenheit, in der das Apartheidsregime in Südafrika noch Bestand hatte und die Welt insgesamt etwas übersichtlicher gestaltet war. Hier die Guten, dort die Bösen. So ist es klar, dass unsere Sympathien nicht gerade auf Seiten der korrupten Politiker liegen und Boam macht aus ihnen dementsprechend herrliche Stereotype, die man zu hassen liebt. Schließlich verstecken sie sich nicht nur selbstherrlich hinter ihrer Immunität, sondern machen auch aus ihrer Abscheu gegenüber der ethnischen Mischung im Gespann Murtaugh/Riggs keinen Hehl. Daraus generiert sich nicht nur eine spannende Sequenz, in der Roger und seine Frau in ihrem Schlafzimmer überfallen werden, sondern auch eine dramaturgische Legitimation, das Haus der Familie Murtaugh erneut zu demolieren. Das Auto, das im ersten Teil ins Wohnzimmer krachte war reichlich überflüssig, die berühmte Bombe unter der Toilette ist eine direkte Konsequenz aus den Handlungen der Figuren – und eine der besten Sequenzen in der gesamten Reihe.
Lethal Weapon 2 hat ein politisches Bewusstsein, auch wenn es den Spielregeln des Genres nie im Wege steht.

Die Darsteller haben auch hier einen großen Anteil daran, dass der Film funktioniert. Gibson und Glover sind exzellent aufgelegt und werfen sich ständig Bälle zu und Gibsons Riggs macht eine angenehme Verwandlung durch. Dies ist nicht mehr der unberechenbare, manchmal enervierende Charakter aus dem ersten Teil, sondern eine Figur, auf die man sich dank des familiären Rückhalts, den ihm die Murtaughs geben, verlassen kann. Neuzugang Joe Pesci hält die Balance zwischen nervig und sympathisch, einzig an einer interessanten Frauenfigur mangelt es. Patsy Kensit als Rika Van Den Haas gibt das plakative Gegenstück zu den übrigen Südafrikanern – „weibliches“ Einfühlungsvermögen vs. „männliche“ Skrupellosigkeit. In dieser Eigenschaft ist sie kaum mehr als ein plot device, um Riggs emotional wieder zu öffnen und eine extrem holprige Brücke zum Tod seiner Frau zu schlagen. Boam sucht hier erzählerische Verbindungen, die reichlich konstruiert wirken und dem Showdown zusätzliches Gewicht geben sollen.

Am Ende des Tages ist Lethal Weapon 2 ein hervorragender Actionfilm, spannend, unterhaltsam und temporeich, in einer gelungenen Balance zwischen Ernst und Augenzwinkern. Der schlingernde Kurs des Originals ist vergessen, die Darsteller sind vollkommen in ihren Figuren angekommen und Boam und Regisseur Richard Donner wissen genau, welche Knöpfe sie drücken müssen, um beim Publikum eine Reaktion zu generieren. Für großartigen Scheiß wie Lethal Weapon 2 ist man nie zu alt.



Montag, 5. Mai 2014

Lethal Weapon - Zwei stahlharte Profis (1987)




LETHAL WEAPON – ZWEI STAHLHARTE PROFIS
(Lethal Weapon)
USA 1987
Dt. Erstaufführung: 10.09.1987
Regie: Richard Donner

Die Buddy-Cop-Actionkomödie, ein Kind der 1980er Jahre. In Zeiten, als Action noch nicht hieß, tausende von Menschen in den Tod zu reißen, nur um die Zerstörungen des Vorgängers noch zu toppen, erblickten Nur 48 Stunden (1982), Stirb langsam (1988) und eben Lethal Weapon das Licht der Leinwand. Letzter mag auf den ersten Blick recht generisch aussehen und ja, in gewisser Weise ist er es auch, aber Regisseur Richard Donner und Drehbuchautor Shane Black interessieren sich auch gar nicht vorrangig für die dürftige Handlung, ihr Augenmerk liegt auf dem zwischenmenschlichen Aspekt. Es ist nicht zu viel gesagt, dass Lethal Weapon ohne seine zwei gut aufgelegten Hauptdarsteller bei weitem nicht so unterhaltsam wäre, wie er es ist.

Der altgediente Polizist Roger Murtaugh (Danny Glover), der seine Rente herbeisehnt, bekommt einen neuen Partner zugeteilt: den suizidalen Heißsporn Martin Riggs (Mel Gibson). Gemeinsam sollen sie, trotz ihrer Ablehnung der Teamarbeit, den vermeidlichen Selbstmord von Amanda Hunsaker (Jackie Swanson) aufklären, der Tochter eines alten Freundes (Tom Atkins) von Murtaugh. Bei ihren Ermittlungen geraten sie immer tiefer in den Sumpf eines aus alten Vietnamveteranen bestehenden Schmugglerrings, der Heroin in die Vereinigten Staaten bringt. Bald wird nicht nur das ungleiche Paar zur Zielscheibe der bad guys, sondern auch Murtaughs Familie…

Das Lexikon des Internationalen Films, in seinen Kurzkritiken nie um eine diskursfreie Wertung verlegen, urteilte über Lethal Weapon wie folgt: „Ein Film, der unverhohlen staatlich legitimierter Gewalt huldigt; seine zynische, menschenverachtende Grundhaltung wird durch humorige Dialoge nicht kompensiert. Inszenatorisch auf Fernsehniveau, schauspielerisch enttäuschend.“ Hätte die Wertung des ursprünglich aus der katholischen Filmarbeit stammenden Nachschlagewerks anders gelautet, wenn man dort bereits die Fortsetzungen gekannt hätte, namentlich Teil Drei? Denn der vorgeworfene Zynismus und die Glorifizierung fragwürdiger Praktiken im Dienste des Staates sind zwar in der Serie vom Beginn angelegt, brechen sich aber erst später in einem Maße Bahn, dass es für den Zuschauer unangenehm wird. Der erste Lethal Weapon ist ansehnliche Actionunterhaltung, bei dem die akademische Analyse keinerlei Priorität besitzt.

Freigesprochen von Unstimmigkeiten ist der Film deshalb aber noch lange nicht. Denn so sehr Glover und Gibson in ihren Rollen aufgehen und die sich entwickelnde Freundschaft zwischen ihnen unterhaltsam anzusehen ist, als Einzelfigur sind sie weniger erfolgreich. Während Glover als Ruhepol noch Pluspunkte sammeln kann, ist Gibsons manischer Riggs mitunter schwer zu ertragen. Der Film gibt ihm eine Legitimation für sein Handeln (er hat seine Ehefrau verloren), aber über weite Teile des Films bleibt er recht unsympathisch und es wäre nicht verwunderlich, wenn die Einschätzung des Lexikon des Internationalen Films zum großen Teil auf die Rezeptzion von Martin Riggs zurückzuführen wäre. So sehr Shane Black die Sequenzen zwischen den Hauptakteuren gelingen, so unschlüssig geht er mit ihnen um, wenn sie allein eine Szene bestreiten müssen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Tempo des Films, dass diverse Längen aufweist, vor allem im auf DVD vertriebenen Director’s Cut. Dieser wurde um eine hervorragende Szene erweitert, in der Riggs einen Scharfschützen, der auf Kinder feuert, ausschaltet. Leider wirkt die berühmte Sequenz, in der er einen Selbstmörder von seinem Vorhaben abbringt, danach wie eine Redundanz. Es sind nur sieben Minuten Unterschied zur Kinofassung, aber diese sieben Minuten zeigen deutlich, dass es manchmal nicht reicht, einfach nur Szenen hinzuzufügen, sondern auch ein Umschneiden vonnöten wäre. Die unorthodoxe Rettung des Selbstmörders ist Action-Allgemeingut, Riggs‘ Charakter hätte die Scharfschützen-Szene zur Ehre gereicht.
Man nehme noch die ausgedehnten, durchaus als langatmig zu bezeichnenden Wüstenszenen hinzu, die sinnlose Zerstörung des Murtaugh-Wohnzimmers und einen ziemlich schwachen Showdown, der wie eine Schulhofschlägerei inszeniert ist, und schon hat man die dramaturgischen Schwächen des Films zusammen.

Ein schlechter Film ist Lethal Weapon deshalb aber noch lange nicht. Denn trotz der in der Analyse hervortretenden Mängel, trotz der Unstimmigkeiten, die sich durch den Schnitt und das Tempo ergeben, macht der Film dennoch Spaß. Dies ist in erster Linie dem Drehbuch zu verdanken, dass in den entscheidenden Momenten zu überzeugen weiß, und den Hauptdarstellern, die weit mehr in ihre Rollen investieren, als man es von einem generischen Actionfilm erwarten dürfte. Lethal Weapon ist kein Meilenstein des Genres und auch ist der erste Teil nicht der Beste Beitrag zur Reihe, aber als konsequenzloses Unterhaltungsprodukt ist der ein Erfolg.