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Montag, 26. Januar 2015

Letters from the Big Man (2011)




LETTERS FROM THE BIG MAN
USA 2011
Regie: Christopher Munch
Dt. Erstaufführung: [bisher nicht in Deutschland uraufgeführt]

Er hat diverse Namen, aber die bekanntesten dürften Sasquatch und Bigfoot sein: das hünenhafte Affenwesen, dass durch die Wildnis Nordamerikas streift und turnurmäßig von Menschen gesichtet wird, dessen man aber nie in irgendeiner Form habhaft werden kann. Jüngst führte eine neue, systematische Analyse von angeblichen Haarproben zum Ergebnis, dass nur bekannte Tierarten durch die Wälder wandern. Das, was Bigfoot am nächsten kam, waren Menschen bzw. ihre Haare. Was bedeutet das? Kann man davon ausgehen, dass der angebliche Urweltaffe nur ein Hirngespinst ist? Was ist mit dem berühmten Patterson/Gimlin-Film, der angeblich einen weiblichen Bigfoot am Ufer eines Flusses zeigt und dessen Authenzität von kundigen Stellen mal angezweifelt, mal bekräftigt wird? Doch wenn Sasquatch eine echte Entität darstellt, warum konnte man noch nie auch nur einem stichhaltigen Beweis für seine Existenz habhaft werden? Die Kryptozoologie, das Studium bisher wissenschaftlich nicht anerkannter Tiere, hat dazu einige teils abenteuerliche Theorien entwickelt, die Regisseur Christopher Munch augenscheinlich sorgfältig studiert hat. Denn sein Letters from the Big Man, dem eine deutsche Veröffentlichung bisher verwehrt geblieben ist, nimmt dankbar einige von ihnen auf und spinnt daraus eine sanftmütige, sehr entspannte Betrachtungsweise des Mythos, nicht frei von Pathos, aber dennoch involvierend.

Sarah Smith (Lily Rabe) hat sich jüngst von ihrem Freund getrennt. Da kommt es ihr gerade recht, dass sie ihr Arbeitgeber, eine Umweltorganisation, in die Wildnis schickt, wo sie unter anderem Daten über die bedrohten Fischbestände sammeln und auch Auswirkungen der jüngsten Waldbrände auf die Umwelt dokumentieren soll. Inmitten der Wälder wird sie immer mehr einer Präsenz gewahr, selbst als ihr eigentlicher Auftrag erledigt ist, zieht es Sarah zurück in die Einsamkeit. Dort bestätigt sich immer mehr, dass sie im Kontakt mit einem als Sasquatch (Isaac C. Singleton) bekannten Wesen steht…

Bigfoot musste bereits für vieles herhalten, seien es Pseudo-Dokumentationen, Kinder- und Horrorfilme oder Komödien. In Comics tritt er wahlweise als extrem grausame Bestie (der unangenehme Bigfoot von Rob Zombie) oder als vernunftbegabter Ermittler á la Fox Mulder (der großartige Proof von Alex Grecian und Riley Rossmo) auf. Über die wahre Bedeutung der Erscheinung streiten sich sowohl Kryptozoologen wie auch „normale“ Forscher. Angebliche Fußabdrücke, Haarproben, ja sogar Kadaver und abenteuerliche Geschichten über Entführungen durch die Waldriesen – alles konnte bis heute die Existenz Bigfoots nicht beweisen und auch Munch scheut vor einer allzu plakativen Erklärung seines Wesens zurück. Sein Sasquatch existiert, wie es auch einige Kryptozoologen proklamieren, außerhalb des Dimensionsspektrums des Menschen, d.h. er kann sich bei Bedarf de facto unsichtbar machen und betritt unsere Dimension nur, wenn nötig. Was sich als reichlich krudes Konstrukt anhört, funktioniert im Filmkontext erstaunlich gut, liefert es doch nicht nur eine Erklärung für die Unauffindbarkeit Bigfoots, es macht aus ihm auch eine Art Waldgeist, auf den Hayao Miyazaki (Prinzessin Monokoke) stolz wäre.

So geht es in Letters from the Big Man auch nicht um Spannung, um die Dinge that go bump in the night, sondern um die Akzeptanz einer Erfahrungswelt jenseits der eigenen. Sarah erstarrt nicht in Furcht, wenn ihr klar wird, wer sie da aus dem Wald heraus beobachtet, vielmehr akzeptiert sie die Präsenz des Wesens und setzt sich damit auseinander, was es heißt, eine nicht-menschliche Intelligenz um sich zu wissen, deren Handlungen und Beweggründe nicht immer eindeutig sind. Letters from the Big Man lässt Raum für Interpretationen und tut dies in einem entspannten Duktus, was manche Zuschauer stören könnte, aber vielmehr für eine geradezu spirituelle Atmosphäre sorgt. Die katholische Filmarbeit würde es wohl, wie dereinst bei Disneys Pocahontas „zweifelhaften Naturmystifiziesmus nennen“, doch im Grunde geht es um das Überbringen einer Ökobotschaft, die weiter geht als das postulieren von einfachen Sinnsprüchen. Sasquatch ist bei Munch der Wald, eine Art Seele, die, trotz ihrer Zugehörigkeit zu einer anderen Dimension auf ihn angewiesen zu sein scheint. Das Konzept, dass die Handlungen des Menschen nicht nur Auswirkungen auf die sichtbare Welt haben, ist bedrückend und betörend zugleich und Letters from the Big Man macht auch nicht den Fehler, es restlos aufzuschlüsseln. Sarah kann, wie alle anderen menschlichen Charaktere, nicht das Gesamtbild kennen, weil die Kommunikation mit Bigfoot keine einfache Sache ist. Die Verständigung findet nur auf der Ebene der Empathie statt, beide Parteien spüren sich mehr als dass sie sich auf einem rationalen Level begegnen. Der Film lässt aber die Schlussfolgerung zu, dass dies zumindest dann möglich ist, wenn man die Präsenz von Sasquatch ohne Furcht und Geltungssucht akzeptiert – etwas, dass Sarahs love interest (Jason Butler Harner) nicht zu leisten imstande ist.

Letters from the Big Man ist ein eigenwilliger, aber gerade deshalb sehenswerter Film. Ansprechend fotografiert und unterlegt mit einem passenden Soundtrack und einem gelungenen Sounddesign ist der Film handwerklich hervorragend und inhaltlich für den einen oder anderen Denkanstoß geeignet. Letters from the Big Man ist kein Bigfootfilm wie jeder andere, wie schon Roger Ebert bemerkte. Und genau darin liegt seine Stärke, seine Kraft zur Imagination und Empathie.




Montag, 8. September 2014

Monty Python - Das Leben des Brian (1979)




MONTY PYTHON – DAS LEBEN DES BRIAN
(Monty Python’s Life of Brian)
Großbritannien 1979
Dt. Erstaufführung: 14.08.1980
Regie: Terry Jones

Nach einem Kompilationsfilm und einer günstigen Suche nach dem Heiligen Gral war es für die britische Formation Monty Python an der Zeit, etwas Größeres zu wagen. So entstand fern der englischen Heimat in Tunesien der auch inhaltlich deutlich ambitioniertere Das Leben des Brian, sicherlich der kontroverseste, aber auch beste Film der Komiker. Wobei die Kontroverse nur zum Erfolg des Werks beigetragen hat. Wie immer war das, was von einigen als besonders verwerflich eingestuft wurde, ausnehmend interessant und bescherte den Kinos, die Das Leben des Brian ins Programm nahmen, hohe Einnahmen. Schweden konnte gar mit dem hübschen Spruch "Der Film ist so witzig, dass er in Norwegen nicht gezeigt werden darf" werben, weil die Satire im Nachbarland zunächst verboten wurde. Wie so oft muss und sollte man an dieser Stelle die Frage stellen, ob der Film seiner Reputation überhaupt gewachsen ist, ob die Diskussionen, die um ihn geführt wurden nicht interessanter daherkommen als der Film selbst. Derlei Einwände sind allerdings obsolet, denn Das Leben des Brian ist auch abseits der Kontroverse ein hervorragender Film, der von der Aufregung nur profitiert: die Schmähungen, die er von religiöser Seite erfahren musste, kristallisieren nur seine bissige Kritik an weltanschaulicher und politischer Engstirnigkeit heraus.

Das Jahr 0 der christlichen Zeitrechnung: in einer Nacht in Nazareth werden zwei Kinder geboren. Eins davon wird dereinst von einer Religion als Sohn Gottes verehrt werden, das andere wird einfach Brian (Graham Chapman) sein. 33 Jahre später predigt einer von ihnen zu den Menschen, während der Andere unversehens an eine Gruppe Revoluzzer gerät, die das Land von der römischen Vorherrschaft befreien wollen. Der einsame, Anschluss suchende Brian wird in Folge seiner Untergrundtätigkeiten zum Propheten und Messias wider Willen...

1979 veröffentlicht, schafft es Das Leben des Brian auch Jahrzehnte später ähnlich frisch zu erscheinen wie sein Vorgänger Die Ritter der Kokosnuß. Was der eine für die Spielarten des Genrefilms ist, ist dieser für religiöse Bigotterie. Dabei ist es bemerkenswert, wie wenig der Film beispielsweise den Charakter Jesus antastet - es gibt keinen Zweifel daran, dass er eine außergewöhnliche, vielleicht wirklich göttliche Erscheinung ist, er wird in den kurzen Passagen, in denen er als Protagonist auftritt, mit Respekt behandelt. Die Kritik und damit auch die Satire richtet sich vielmehr gegen alles, was in seinem (oder anderen weltanschaulich konnotierten) Namen auch heute noch auf der Erde geschieht. So zeigt Das Leben des Brian in überspitzer Form, wie schnell und gründlich man eine Botschaft von Liebe und Verständnis als Vorwand nehmen kann, sich gegenseitig die Schädel einzuschlagen. Und die wirren Verflechtungen von Religion und Politik sind ständig präsent.

So gehört es sicherlich zu den besten Elementen, wenn aus dem Film neben der religiösen Satire eben auch eine politische wird. Gruppierungen, die ein und dasselbe Ziel haben, bekämpfen sich lieber gegenseitig als sich gegen den gemeinsamen Gegner zu verbünden. Eifer ersetzt Pragmatismus, Selbstherrlichkeit überstrahlt die Agenda. Natürlich lässt der Film auch keinen Zweifel daran, dass er eine Verquickung von weltlicher und religiöser Macht nicht gutheißen kann, da er die Parallelen, die sich gerade im Ereiferungspotenzial zeigen, süffisant herausarbeitet.

Ist Das Leben des Brian nun blasphemisch? Kritiker und Fans des britischen Humors sind sich seit 1979 einig, dass dem nicht so ist, in den negativsten Fällen wird der dritte Monty-Python-Film bestenfalls als belanglos-albern abgetan. Religiöse Gefühle kann er nur dann verletzen, wenn sich der Träger jener Gefühle insgeheim nicht sattelfest genug in selbigen empfindet. Denn wer Religion als einzig sakrales Etwas begreift, dass nie hinterfragt werden, geschweigen denn Ausgangspunkt für heiteres Gelächter sein darf, wenn man nicht die auch oft lächerlichen Begleiterscheinungen, die Religion und ihre Gefolgschaft nun mal mit sich bringen, offen ansprechen kann, dann verkommt die Weltanschauung zum inhaltsleeren Kult, zum Totentanz, der nur um seiner selbst willen praktiziert wird. Da es sich bei Religionen um Machtgefüge handelt und niemand freiwillig und bereitwillig Macht abgibt, wohnt ihnen durch ihre (oftmals, man muss es einfach sagen, hörige) Gefolgschaft von jeher der Reflex inne, sie gegen alles, was auch nur im Entferntesten nach Kritik klingt, zu verteidigen. Dass viele der Boykottierer von damals den Film nicht gesehen hatten und  mit teils abstrusen Ausreden von diesem Umstand ablenken wollten, ist dabei schon fast systemrelevant.

So bleibt es dabei, dass der bei allen albernen Einfällen äußerst klug daherkommende (und meistens einfach urkomische) Das Leben des Brian ein hervorragender Film ist, der alle Mittel der Satire nutzt, um die wahrlich haarsträubenden Aspekte dessen herauszukehren, was für viele Menschen einen (manchmal viel zu großen) Stellenwert im Leben hat. Brian fungiert im Film stets als Beobachter, der ob der Sinnlosigkeit seiner Umgebung zu verzweifeln droht. Auch Jahrzehnte später steht Das Leben des Brian wie ein Fels in der Brandung in einer Welt, in der sich Menschen wegen den angeblichen Aufträgen nicht beweisbarer Wesen immer noch massenhaft ermorden. Monty Pythons Meisterwerk ist ein Ventil für alle, denen nach der Tagesschau auch oft nicht mehr einfällt als: "You silly socks."



Montag, 26. Mai 2014

Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf (1998)




LETHAL WEAPON 4 – ZWEI PROFIS RÄUMEN AUF
(Lethal Weapon 4)
USA 1998
Dt. Erstaufführung: 13.08.1998
Regie: Richard Donner

Sechs Jahre sollte es dauern, bis Richard Donner als Regisseur und seine komplette Besetzung nach dem misslungenen dritten Teil wieder zusammenkamen, um einen vierten Teil der 1987 gestarteten Lethal Weapon-Reihe auf die Beine zu stellen. Das gesamte Projekt umschwirrt die Aura von „Wir wollen es nochmal wissen“ und wenn man wohlwollend auf das Endprodukt schaut, kann man vielleicht auch zum Schluss kommen, dass dies geglückt sei. In der Kernkompetenz der Serie, den Actionszenen, gibt es tatsächlich wieder mehr zu bestaunen als im Vorgänger. Mel Gibsons Kampf in einem transportablen Musterhaus, der sich irgendwann halsbrecherisch auf die Schnellstraße verlegt, ist unterhaltsamer als alles, was Lethal Weapon 3 dem Zuschauer offerierte, ebenso wie die Szene mit einem Rabbi, der eine christliche Pseudo-Trauung vornehmen soll, witziger als alles ist, was man im 1992er-Aufguss gesehen hat. Lethal Weapon 4 hat seine Momente, entspricht aber sonst genau dem Lehrbuch für aufgeblasenen Blockbusterunterhaltung. Einige Fehler vor allem aus Teil Drei, werden bemüht ausgebügelt, was den Film aber nicht davon abhält, ganz neue zu produzieren.

Das Alter macht inzwischen auch nicht vor Riggs (Mel Gibson) halt – er spürt, ganz wie sein Partner Murtaugh (Danny Glover), dass ihm die Polizeiarbeit auf der Straße nicht mehr so leicht von der Hand geht wie früher. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Riggs‘ Freundin Lorna Cole (Rene Russo) ist schwanger, ebenso wie Murtaughs Tochter Rianne (Traci Wolfe), die ihre Ehe mit dem neuen Polizisten beim LAPD, Lee Butters (Chris Rock) allerdings vor dem Vater geheim hält, hat dieser ihr doch immer gepredigt, sich nie mit Cops einzulassen. All dies hindert die zwei natürlich nicht daran, wieder einmal in Schwierigkeiten zu geraten. Zufällig kommen sie einem chinesischen Menschenschmugglerring der Triaden auf die Spur, der vom aalglatten „Onkel Benny“ (Kim Chan) geleitet wird. Doch als viel gefährlicher erweist sich dessen rechte Hand Wah Sing Ku (Jet Li), ist er doch auf sehr persönlicher Ebene in die illegalen Machenschaften verwickelt und da kommt ihm eine polizeiliche Einmischung nicht sonderlich gelegen…

Lethal Weapon 4 ist ein schönes Beispiel für das Baukastenprinzip, nach dem viele große Sommerfilme aus den USA funktionieren. Das amerikanische Mainstreamkino entdeckte Ende der 1990er Jahre fernöstlichen Kampfsport für sich – und so wird in diesem Film mehr Martial-Arts gezeigt, als gut für ihn ist. Jet Li kickt sich die Seele aus dem Leib und natürlich ist jeder Handlanger im Dienste der Triaden zu ähnlichen Aktionen fähig, um den Helden das Leben schwer zu machen. Als sonderlich sensibel haben sich die Lethal Weapon-Filme noch nie gezeigt und auch der vierte Teil bedient diverse kulturelle Klischees, die durch die überzogene Regie nur bedingt als comichafte Überzeichnungen entlarvt werden.
Ansonsten wird die Homophobie, die im ersten Teil durch diverse Aussprüche Riggs‘ präsent war, wieder aus der Mottenkiste geholt, wenn Murtaugh dank Riggs‘ vagen Andeutungen glaubt, Lee Butters wäre schwul und an ihm interessiert. Überhaupt trifft es Murtaugh wieder einmal am härtesten, dient er doch in erster Linie als Zielscheibe für die Scherze seines Partners, wird ständig vorgeführt und die zur kruden Tradition gewordene partielle Zerstörung seines Hauses wird auf die traurige Spitze getrieben. Aber in der Logik des Films ist es ja kein Problem, ein Heim mit allen Erinnerungen aus Jahrzehnten des Zusammenlebens zu verlieren, wenn die Ehefrau (Darlene Love) unter einem Pseudonym schwülstige Romane schreibt und damit viel Geld verdient. Das Gefühlsleben der Figur Roger Murtaugh, erst recht das seiner Familie, ist größtenteils nur noch behauptet und am Ende wird sein Charakter nicht einmal mit einer Katharsis belohnt, weil man meinte, Riggs wäre ein besserer Gegner für Wah Sing Ku. Lethal Weapon 2 war gerade in dieser Hinsicht sehr viel sinniger konstruiert.

Doch Murtaugh ist nicht der einzige Charakter, mit dem das Drehbuch von Channing Gibson (TVs Murder One) wenig anfangen kann. Wenn man Lorna Cole im dritten Teil noch als Versuch werten konnte, dem Testosteronüberschuss etwas entgegenzusetzen, ereilt sie hier das gleiche Schicksal wie alle Frauenfiguren in der Reihe: sie wird in den Hintergrund degradiert. Cole kann sich bei einem Angriff zwar noch wehren, aber auch sie wird auf den Gemeinplatz der Mutter und sorgenden Ehefrau verwiesen. Frauen haben in der Lethal Weapon-Welt nicht viel zu tun. Auch Joe Pesci als Leo Getz ist ein schwankender Charakter, der wie ein plot device immer dann zur Stelle ist, wenn man ihn für ein Ablenkungsmanöver oder auch nur für einen schalen Scherz braucht. So geht der Versuch, aus ihm am Ende eine Art spirituelle Leitfigur zu machen ebenso schief, wie ihm schon wieder einen neuen Job als Privatdetektiv angedeihen zu lassen. Als neuer Charakter Lee Butters ist Chris Rock wie üblich ziemlich nervtötend und Jet Li ist der stereotype „böse Asiate“.

Zumindest kann man Lethal Weapon 4 zugutehalten, dass er sich flott bewegt und das auch nicht in solchen Kreisbewegungen wie sein Vorgänger. Genügsam unterhaltend ist das Ganze ja immer noch, nur das sorgfältig komponierte Drehbuch fehlt, ebenso wie eine gewisse Sensibilität für die involvierten Charaktere. Standardisiert ist hier fast alles und das noch lohnenswerte und das weniger erfolgreiche Material halten sich gegenseitig in Balance. Lethal Weapon 4 ist insgesamt etwas ansehnlicher als Teil Drei, aber weit entfernt vom Einstieg oder Teil zwei, dem besten Beitrag zur Reihe. Sollte es jemals einen fünften Teil geben, täte man gut daran, sich wieder an diese Zeiten zu erinnern. Denn so, wie sich Riggs und Murtaugh hier präsentieren, sind sie nur müde Erinnerungen an eine Zeit, in der Actionfilme dieser Art zumindest ein Grundmaß an erzählerischer Kohärenz aufweisen konnten. Oder wenigstens durchgängig Spaß machten.



Montag, 19. Mai 2014

Lethal Weapon 3 - Die Profis sind zurück (1992)




LETHAL WEAPON 3 – DIE PROFIS SIND ZURÜCK
(Lethal Weapon 3)
USA 1992
Dt. Erstaufführung: 27.08.1992
Regie: Richard Donner

Der Vorwurf, unverhohlen staatlich legitimierte Gewalt zu zelebrieren, begleitet die Lethal Weapon-Reihe seit ihrem ersten Teil aus dem Jahre 1987. Nun gehört dies bis zu einem gewissen Grad zum Actiongenre, der sonntägliche Tatort-Zuschauer will ja auch nicht Polizeiarbeit sehen, wie sie in der Realität funktioniert. Die Protagonisten in diesem Genre sind immer auch eine Verlängerung einer dem Menschen wahrscheinlich innewohnenden Law & Order-Mentalität: wenn jemand etwas getan hat, dass die Mehrheit als verwerflich ansieht, dann dürfen die Helden diesen Schurken auch verdammt nochmal bestrafen, ohne dass ihre grundsätzliche Integrität angetastet wird. So geht es für den Zuschauer in Ordnung, wenn Murtaugh am Ende des zweiten Teils einen Diplomaten erschießt, wenn dieser seine Immunität aufs gröbste missbraucht hat. Das ist zunächst eher weniger mit einem Rechtssaat in Einklang zu bringen, wirkt aber im Kontext des Films. Das Actionkino befriedigt den zugegebenermaßen reichlich archaischen Wunsch nach schneller Rechtsprechung, ja, nach Selbstjustiz. Die Kunst dabei ist, die involvierten Figuren nicht in einem schlechten Licht dastehen zu lassen, sie dürfen erst im Showdown rohe Gewalt anwenden, weil man als Zuschauer ja miterlebt hat, dass zuvor alle Bemühungen um eine friedlichere Lösung gescheitert sind. Der Tod des Schurken ist die Katharsis, die uns den Glauben an eine grundlegende Gerechtigkeit zurückgibt. Es wäre schön, wenn auch Lethal Weapon 3 unter diesen Gesichtspunkten gesehen werden könnte, aber in diesem Fall gilt der Ausspruch „Aller guten Dinge sind Drei“ nicht. Die Reihe verliert diesmal nicht nur an erzählerischer Relevanz, sondern auch die Hauptfiguren büßen bemerkbar Sympathiepunkte ein. Lethal Weapon 3 ist eher Rückentwicklung denn Evolution.

Nachdem sie ihre eigenen Kompetenzen weit überschritten haben, werden Martin Riggs (Mel Gibson) und der kurz vor der Pensionierung stehende Roger Murtaugh (Danny Glover) zum Streifendienst geschickt, bei dem sie natürlich sofort in neue Schwierigkeiten geraten. Ein versuchter Bankraub führt sie so auf die Spur des Ex-Polizisten Jack Travis (Stuart Wilson), der sich nun mit dem illegalen Verkauf von Waffen beschäftigt. Zusammen mit der taffen Lorna Cole (Rene Russo) und immer wieder unterbrochen von Scharmützeln mit dem nun als Immobilienmakler tätigen Leo Getz (Joe Pesci) machen die Zwei sich daran, Travis das Handwerk zu legen.

Riggs und Murtaugh sind hier mehr Karikaturen als jemals zuvor. Wenn man Scherze auf Kosten Murtaughs Alter noch durchwinken mag, zeichnen sich beide aber auch durch eklatante Dummheit (vor allem zu Beginn des Films) und offensivem Amtsmissbrauch aus, während Riggs‘ sich zu seinem Nachteil wieder der Figur aus Teil Eins annähert. Die Charaktere profitieren nicht mehr so voneinander, wie sie es noch in Lethal Weapon 2 getan haben, Riggs will wieder seinen Süchten frönen und wirkt über weite Teile erneut so unkonzentriert und unberechenbar wie am Beginn der Serie. Und dann wäre da eben die Sache mit der allgegenwärtigen Gewalt gegen alles und jeden. Murtaugh und Riggs scheinen kein Problem mehr damit zu haben, wirklich jeden, der ihnen in irgendeiner Form nicht passt, Kraft ihres Amtes in die Knie zu zwingen. Regisseur Richard Donner möchte, dass wir darüber lachen, doch meistens wirken diese Szenen eher unangenehm, zumal die Motivation mitunter einfach nur Vergnügungssucht auf Kosten anderer ist. Erfreuliche Gesellen werden die beiden Hauptfiguren dadurch nicht, man bekommt eher Probleme, ihren Dramen, vor allem Murtaughs Entsetzen darüber, dass er einen Jugendlichen in Notwehr getötet hat, gebührend zu würdigen. Wobei fairerweise gesagt werden muss, dass Murtaugh aus dem Schlamassel, das der dritte Teil darstellt, besser hervorgeht als Riggs. Dessen Beziehung mit der neuen Figur Lorna Cole wirkt dann auch noch forciert und reichlich mäßig legitimiert. Nicht nur, dass Riggs‘ verstorbene Ehefrau nicht weiter erwähnt wird, die plakativ als Hass-Liebe eingeführte Beziehung zwischen Cole und Riggs wechselt die Ebenen, wann immer dem Drehbuch von Jeffrey Boam und Robert Mark Kamen danach ist. Immerhin hat man den Einsatz des Plappermauls Leo Getz zurückgefahren, auch wenn Joe Pesci auf dem Filmplakat erwähnt wird. Anstrengend ist seine Figur immer noch, sorgt aber wenigstens für ein paar gute Gags, als er einem Paar versucht, das Haus der Murtaughs zu verkaufen.

Letztlich muss man auch sagen, dass die Story um einen abtrünnigen Polizisten, der mit Waffen handelt, nach der Apartheids-Geschichte aus Teil Zwei weit weniger relevant daherkommt, verstärkt nur noch durch die Tatsache, dass sie auch recht lustlos inszeniert wurde. Es gibt immer noch viel Action in Lethal Weapon 3, die aber weniger mitreißt als in den Vorgängern und selbst in der besten Sequenz, einer Verfolgungsjagd ziemlich zu Beginn, die eigene Relevanz durch den Einsatz der unglaublich furchtbaren Klischeefigur Delores (Delores Hall) beständig torpediert. Das Stereotyp der frechen, street-wise schwarzen „Mamma“ – dies ging den Autoren durch den Kopf, als sie darüber nachdachten, wie sie die Sequenz interessanter machen könnten? Das muss ein wenig erquicklicher Tag in der Schreibstube gewesen sein.

Lethal Weapon 3 ist Genre-Standardware durch und durch, ziemlich unkreativ in der Ausführung, routinemäßig in der Regie und dank des schwachen Drehbuchs auch nicht sonderlich unterhaltsam. Nie hat man das Gefühl, dass der Film irgendwo ankommt, als würde er sich beständig um sich selbst drehen. Hier zeigt es sich, dass selbst das Duo Riggs/Murtaugh zu nicht mehr als Durchschnitt fähig ist, wenn man ihnen nicht zumindest ansatzweise interessantes Material zum abarbeiten an die Hand gibt.