Posts mit dem Label Star Trek werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Star Trek werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 26. Juli 2016

Star Trek: Beyond (2016)




STAR TREK: BEYOND
USA 2016
Dt. Erstaufführung: 21.07.2016
Regie: Justin Lin

Eine kleine Einordnung zu Beginn: Kurz bevor ich Star Trek: Beyond sah, habe ich – mehr durch Zufall – ein paar Folgen der 1990er-TV-Serie Star Trek – Deep Space Nine wiedergesehen. Darunter waren unter anderem die „kontroverse“ Episode mit Symbiontin Jazida Dax und der Behandlung von geschlechtlicher Identität und die unterhaltsame Zeitreise von Quark und seiner Ferengi-Familie auf die Erde der 1950er Jahre – in einen Ort namens Roswell. Sieht man diese Trek-Inkarnationen kurz hintereinander, dann wird (wieder einmal) gewahr, wie wenig Star Trek in der 2009 initiierten Reboot-Reihe von J.J. Abrams steckt. Wie ein hormongeschwängerter Teenager nutzt auch Justin Lin als Nachfolger auf dem Regiestuhl das Franchise nur als Hintergrund für einen mitunter bemerkenswert langweiligen Science-Fiction-Film mit viel Action, aber wenig Substanz – als würde man, um bei Deep Space Nine zu bleiben, nur Folgen wie Empok Nor zu Rate ziehen und eben weniger die sozialen, charakterlichen und philosophischen Fragen, die das Gro der anderen Episoden aufwerfen. Manchmal, selten, blitzt etwas Geist der Vorlage auf, gerade so viel, dass es bequem in den Trailer passte und den geneigten Fan auf eine falsche Fährte locken konnte. Es mag manchem unfair erscheinen, die neuen Trek-Filme ständig mit der Vergangenheit abzugleichen: „Sie sind doch ein Reboot, etwas Neues, die auch als eigenständige Werke gesehen werden wollen!“ Einerseits muss sich eine Neuauflage natürlich immer mit ihren Vorgängern messen, andererseits kokettiert auch Beyond ständig mit „Old Star Trek“, was seine eigenen Defizite nur stärker zum Vorschein treten lässt. So offenbart sich gerade in dem Hinweis auf trashige Elemente der Originalserie wie die grüne Hand im Weltraum etwas, was der neuen Trek-Generation fehlt: der Mut zum Experiment, zum Leben jenseits der kalkulierten „Crowd Pleaser“ vom Flipchart.

Bei einem Zwischenstopp auf einer Raumstation der Föderation kommt die Crew des Raumschiffs Enterprise in Kontakt mit einer Flüchtigen, die die Mannschaft um Hilfe für ihre auf einem unzugänglich gelegenen Planeten festgehaltenen Leute bittet. Der leicht ausgebrannte Captain Kirk (Chris Pine) und die Seinen nehmen die Mission an und navigieren sich durch unwegsamen Raum bis zum Ziel durch, wo die Enterprise prompt von einem Schwarm Raumschiffe attackiert und größtenteils zerstört wird. Die Mannschaft strandet auf dem Planeten, auf dem ein Megalomane namens Krall (Idris Elba) einen Schlag gegen die ihm verhasste Föderation vorbereitet …

In einem Moment gelingt es Star Trek: Beyond, in einem Gesprächswechsel zwischen Kirk, Spock (Zachary Quinto) und Dr. McCoy (Karl Urban) über ein von Uhura (Zoe Saldana) getragenes Schmuckstück mit besonderen Eigenschaften, eine der Quintessenzen der klassischen Serie einzufangen: ehrlich witzig, neckisch und mit dem Hinweis auf eine Vertrautheit zwischen den Charakteren, die sonst im Film nur als Verweis auf Shatner, Nimoy und Kelley, weniger aus sich selbst heraus, funktioniert. Es ist ein kleiner Hoffnungsschimmer in einem ansonsten grandios-generischen Durcheinander, dass gerade im Mittelteil sehr viel mehr langweilt als unterhält, weil sich Beyond kaum Zeit für Irgendetwas jenseits der nächsten Explosion nimmt. Wenn die Enterprise zerstört wird, hat dies denn auch nicht einmal annähernd den Effekt des Crashs in Treffen der Generationen, weil ihm kein „Build-Up“ über Jahre hinweg vorangegangen ist. Wir kennen das Schiff ebenso wenig wie seine Mannschaft jenseits ihrer Funktion als Platzhalter – „Wenn Sie die TV-Serie kennen, dann …“
Das Gehetze von einer „aufregenden“ Sequenz zur nächsten ist ermüdend und wenn im Finale erst das Weltall von den Beastie Boys erfüllt wird, um dann in einem Showdown ohne Sinn und Verstand und in gestalterischem Recycling des Vorgängers Star Trek: Into Darkness zu enden (die Raumstation und die auf ihr stattfindenden Konfrontationen sind ästhetisch und inszenatorisch ein einziges Déjà Vu), dann kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass alles schon mal irgendwo gesehen zu haben (auch hier ist die Verwendung des „Magic Carpet Rides“ in Der erste Kontakt die charmantere Möglichkeit, populäre Erdenmusik mit Star Trek in Verbindung zu bringen). Im Grunde weiß man, dass es um den Film nicht allzu gut bestellt ist, wenn selbst der charismatische Idris Elba kaum etwas aus seiner holprig motivierten Schurkenrolle herausholen kann.

Dabei steckt gerade in Krall etwas, dass auch mit den Klingonen als geupdatetes Feindbild funktioniert hätte: eine kritische Auseinandersetzung mit der Föderation, ihren mitunter durchaus imperialistisch anmutenden Tendenzen und Fragen nach der grundsätzlichen Funktionsweise dieser Zukunftsvision. Doch weder Kirk noch Krall werden in diese Richtung gebracht, der eine verharrt in rein persönlichen Problemen (inwiefern er z.B. die Sternenflotte für den Tod seines Vaters verantwortlich machen könnte, wird nicht einmal angedacht), der andere bedient ein diffuses Feindbild eines Fanatikers, der nur durch die komplette physische Auslöschung (hier durchaus wörtlich gemeint) gestoppt werden kann. Es steckt einiges an Das unentdeckte Land in Star Trek: Beyond, ohne dass sich der Film den Dämonen stellen würde, die er geradezu läppisch heraufbeschwört. Die Gedanken, dass das Wort mächtiger sein könnte als das Schwert, dass Vorurteile und Hass keine unumstößlichen Monolithen sein müssen, ist diesem Film vollkommen fern, eher sieht er in rein militärischen Lösungen ein zweifelhaftes Heilsversprechen. Das unangenehme Gefühl, als Captain Picard den Antagonisten am Ende von Der Aufstand geradezu kaltblütig seinem Schicksal überließ - es kehrt hier äußerst präsent zurück.

Nochmals: Ist das alles zu harsch? Schließlich kann man Star Trek: Beyond trotz allem einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen, unter anderen Vorzeichen würde man sicherlich gnädiger sein und selbst die Beastie Boys durchwinken. Der Film ist zweifelsohne auf visueller Ebene interessant, die Make-Up-Effekte sind hervorragend, einige Einfälle zeugen von genrewürdigem Einfallsreichtum. Aber das Produkt trägt dennoch immer noch ein Label vor sich her, dem es, ungeachtet aller Ausrutscher, die sich die anderen Filme und Serien geliefert haben, nicht gerecht wird. Das Poster zu Star Trek: Beyond ist unverkennbar ein Hinweis auf die Gestaltung selbigen zu Star Trek – Der Film. Eine Sequenz wie jene, in der Kirk in einem Shuttle geradezu elegisch an der Enterprise vorüberfliegt und der Zuschauer die Größe, die Kraft des Raumfahrzeugs und die Freude des Captains über das Wiedersehen selbst spüren kann, ist hier aber vollkommen undenkbar. Star Trek: Beyond ist, wie die anderen Teile der Reboot-Reihe, ein Lippenbekenntnis.




Sonntag, 11. August 2013

Star Trek - Nemesis (2002)




STAR TREK – NEMESIS
USA 2002
Dt. Erstaufführung: 16.01.2003
Regie: Stuart Baird

Wussten alle Beteiligten von Star Trek – Nemesis, dem immerhin zehnten Film in der profitablen Serie, dass dies ihr letzter Einsatz im Dienste der Föderation sein würde? Diesem Gefühl kann man sich kaum erwehren. Denn auch wenn er Dinge etabliert, die für ein mögliches Sequel nützlich hätten sein können, fühlt sich Nemesis doch wie ein final call an. Richtig Mühe gibt sich der Film kaum. Die Effekte sind hervorragend und man ist durchaus gewillt, Action und Denkanstöße in der Waage zu halten, aber am Schluss kommt ein sehr durchwachsener Film heraus, der wirkt, als wolle er das Unterfangen schnell hinter sich bringen.

Nach Jahren des fragilen Waffenstillstands scheint das romulanische Imperium bereit zu sein, Friedensverhandlungen mit der Föderation aufzunehmen. Dieser Umstand ist vor allem dem Auftauchen des neuen Herrschers Shinzon (Tom Hardy) geschuldet, seines Zeichen ein Sohn des Planeten Remus, dem Schwesterplaneten der romulanischen Heimatwelt, auf dem man die vampirartigen Remaner versklavt hat. Zur Überraschung der Mannschaft des Raumschiffs Enterprise, dass zu den Verhandlungen geschickt wird, ist Shinzon aber weder Remaner noch Romulaner, sondern ein Mensch – genauer gesagt ein Klon Picards (Patrick Stewart), Überbleibsel eines alten, aufgegebenen Komplotts gegen die Föderation (ich verrate damit keine großen Plotdetails, weil der Film aus dem Klon-Umstand kein nach und nach zu entschlüsselndes Geheimnis macht), der gänzlich andere Dinge im Kopf hat als einen Friedensvertrag…

Die Sequenzen mit Picard und Shinzon gehören zu den Glanzstücken in Nemesis. Die Frage, wie ein Leben mit den identischen Ausgangsdaten (in diesem Fall das gleiche Erbgut) unter verschiedenen äußeren Einflüssen verlaufen kann, ist nicht nur interessant (nicht umsonst sind getrennt voneinander aufgewachsene Zwillinge eine wissenschaftliche Wundertüte), sondern wird auch mit einiger Souveränität gehandhabt. Die Dialoge bei diesen Konfrontationen gehören zu den besten Elementen, die man in Stuart Bairds (Einsame Entscheidung) Film finden kann. Weit weniger funktionell ist die Entdeckung von Datas (Brent Spiner) „Bruder“ B-4 (ebenfalls Brent Spiner), einer geistig nicht so hochentwickelten Vorstufe von jedermanns Lieblingsandroiden. Nicht nur, dass der Film hier eine riesige Chance verpasst, Datas „bösen Zwilling“ Lore aus der TV-Serie einzubauen (was ein größeres Gefühl von Kontinuität erzeugt hätte), die Begegnung von Data und B-4 entfaltet nicht nur wenig dramatisches Potenzial, B-4 ganze Anwesenheit ist eher ein McGuffin, der nicht nur einem Komplott dient, sondern auch das für Next Generation-Fans schwer zu ertragene Ende erträglicher machen soll. Wie gesagt, Nemesis ist ein Abschied – ein düsterer, unausgewogener und vor allem eher unwürdiger Abschied. Da er so viele „finale Momente“ einbaut, ist es auch schwer zu glauben, dass man bei Paramount zu dieser Zeit nicht bereits davon überzeugt war, Star Trek nach zehn Filmen in den Ruhestand zu schicken. So ist der Film in gewisser Weise ein Echo von Star Trek VI – Das unentdeckte Land, ohne dessen clevere Struktur, die den Abschied von Kirk und Co. würdig und durchdacht erschienen ließ.

Rein für sich genommen, ohne die Bürde des finalen Teils, dessen Bedeutung sich ohnehin nur in der Retrospektive gänzlich erschließt, ist Nemesis ein besserer Film als sein unmittelbarer Vorgänger, Der Aufstand, dessen Unwille zum dramaturgischen und gestalterischen Mut hier durch größere Experimentierfreude ersetzt wurde, die allerdings auch zu vielen Albernheiten führt. Es gibt eine generische Autoverfolgungsjagd (!) und am Ende rasen zwei Raumschiffe ineinander. Wenn eins davon nicht U.S.S. Enterprise-E heißen würde, beide Schiffe wären sofort explodiert. Nemesis besitzt Schauwerte, keine Frage, aber der Film bewegt sich mit ihnen manchmal ziemlich nah am Trash, was durchaus zu einem gewissen Unterhaltungswert führt. Außerhalb des Picard/Shinzon-Plots sollte man aber nicht zu viel nachdenken.

Star Trek – Nemesis ist ein gleichermaßen frustrierender wie unterhaltsamer Film und diese seltsame Mischung hinterlässt einen schalen Geschmack. Einerseits ist es schön, all die bekannten Gesichter wiederzusehen, auf der anderen Seite ist der Film so angefüllt mit Hinweisen, das das Ende naht, dass er geradezu melancholisch wirkt. Und da er sich ein sinnlos-grausames Ende nicht verkneifen kann, endet die Star Trek-Kinoära eher mit tränenden Augen der Enttäuschung anstatt mit tränenden Augen des wohlwollenden Abschieds (siehe nochmals Star Trek VI). Es gibt genug interessantes Material in Nemesis. Dass es sich nicht zu einem rundlaufenden Ganzen vermengt, ist ärgerlich und traurig zugleich.



Donnerstag, 25. Juli 2013

Star Trek - Der Aufstand (1998)




STAR TREK – DER AUFSTAND
(Star Trek: Insurrection)
USA 1998
Dt. Erstaufführung: 31.12.1998
Regie: Jonathan Frakes

Wer hoch fliegt, kann auch tief fallen, könnte man sagen. Nach dem überragenden Star Trek – Der erste Kontakt hat wohl niemand ernsthaft ein weiteres Highlight der Star Trek-Filmreihe erwartet, aber sicherlich auch keinen Ausfall wie diesen. Der Aufstand, der neunte Star Trek-Film ist für die Next Generation-Crew das, was Star Trek V – Am Rande des Universums für Kirk und seine Crew war: ein absoluter Tiefpunkt.

Auf einem fernen Planeten leben die Ba‘ku, eine Spezies in einer vorindustriellen Kultur, denen die einzigartige Strahlung der Ringe um ihre Heimatwelt eine Art „Jungbrunneneffekt“ zukommen lässt. Dies möchten die So’na, eine sterbende Rasse, ausnutzen und werden dabei von der Föderation unterstützt. Als Data (Brent Spiner), der Androide von der Enterprise, bei einem Erkundungstrip scheinbar den kybernetischen Verstand verliert und die bis dato getarnten Eindringlinge für die Ba’ku sichtbar macht, ruft dies Captain Picard (Patrick Stewart) und seine Mannschaft auf den Plan, denn dies ist eine Verletzung der „obersten Direktive“ – der Nichteinmischung in die Entwicklung von Zivilisationen, die noch nicht den interstellaren Raumflug für sich entdeckt haben. Wie sich aber herausstellt sind die Ba’ku nicht so naiv wie angenommen und die Seilschaft zwischen So’na und Föderation nicht so einwandfrei wie es die Vorschriften vorsehen…

Ein Grund, warum Kirk zu seiner Zeit vom Admiral wieder zum Captain degradiert wurde, ist neben seiner Befehlsverweigerung und der Tatsache, dass „Admiral Kirk“ so schwer von den Lippen geht, sicherlich auch der moralische Verfall, der in Star Trek mit diesem Berufsstand einher geht. Ja, der Föderationsadmiral Dougherty (Anthony Zerbe) ist der Böse und diese Nicht-Überraschung ist nur eins von vielen wiedergekäuten Elementen, die sich in Der Aufstand zu einem leidlich unterhaltsamen, aber auch belanglosen Ganzen vermengen. Neben dem Admirals-Stereotyp haben wir im Kern interessante Diskussionen über die „oberste Direktive“ und nicht sehr subtile Analogien zur Indianervertreibung in den USA, die allesamt bereits in der TV-Serie hinreichend behandelt wurden. Ähnlich wie Star Trek – Der Film wiederholt Jonathan Frakes‘ zweiter Einsatz auf dem Regiestuhl Plotelemente aus dem Fernsehen und bläst sie lediglich auf 90 Minuten auf.

Und dabei verliert sich jegliche Logik. Die Ba`ku „glauben“ nicht an Technologie und lehnen sie ab, benutzen aber dennoch mannigfaltige Maschinen in ihrem Dorf. Ihre Anzahl beläuft sich auf 600 Individuen, die alle in diesem einen Dorf leben, was bedeutet, der Planet ist größtenteils unbewohnt und könnte noch einige Bewohner mehr aushalten, die von der beglückenden Strahlung profitieren könnten. Doch Verhandlungen finden nicht statt, es soll eine Umsiedlung stattfinden und die Essenz der Planetenringe absorbiert werden (streichen wir die Science aus Science-Fiction), um die So’na und alle anderen potenziellen Interessenten zu versorgen. Die So’na haben ihre ganz eigenen Gründe für diese Vorgehensweise, aber dass die Föderation (die nur durch Dougherty vertreten wird) dabei mitspielt, ist so verquast, dass es leicht als plot device zu entlarven ist, dass dem Film einen politischen Unterton geben soll, den er gar nicht gerecht werden kann und vor allem will. Denn Frakes interessiert sich eher für launige Gags und erstaunlich langweilige Action. Es ist ein Rätsel, wie nach dem gleichermaßen cleveren wie actiongeladenen Der erste Kontakt unter dem gleichen Regisseur ein Film wie dieser entstehen konnte, der Witze über Worfs (Michael Dorn) Pickel macht, Troi (Marina Sirtis) und Riker (Jonathan Frakes) als dauergeile Teenager inszeniert, Data Worf nach seinem Busen fragen lässt und Picard im Showdown als kaltherzigen, gar nicht demokratischen Widerling erscheinen lässt (wäre der Transport von zwei Personen zuviel gewesen, um einen davon danach vor ein Gericht zu stellen? Wo ist da die Demokratie, der Rechtsstaat, der die Föderation sein soll? Wenn ein Schurke im Eifer des Gefechts stirbt ist das eine Sache, aber so?).

Zu all diesen inneren Schwächen kommt eine lustlose Ausstattung und Inszenierung. Wie gern übersieht man jedes plot hole, wenn man dafür in die Geschichte gesaugt wird. Dies passiert in Der Aufstand so gut wie nie. Die Ba’ku sind die langweiligsten Aliens der Star Trek-Filmgeschichte, nicht einmal die obligatorisch-fremden Ohren werden ihnen gegönnt. Dies sind selbst für Star Trek-Verhältnisse unentschuldbar unkreative Außerirdische, deren menschliches Erscheinungsbild nur dazu da ist, damit Picard mit einer von ihnen anbandeln kann (noch so ein wenig funktioneller Subplot). Der Film sieht trotz eines geschätzten Budgets von 58 Millionen Dollar billig aus, selbst die Effekte sind nicht auf dem Level der drei vorangegangenen Beiträge. Und, wie gesagt, die eher mauen Gags. Data kann man als Floß benutzen und die Enterprise-E hat einen Joystick zur Steuerung. Ah ja. Wie Star Trek V ist Der Aufstand wie eine der schwächeren TV-Episoden: gut nicht wirklich weh, ist aber auch schlecht durchdacht und wirkt eher wie im Schnelldurchlauf abgedreht, damit sich alle Beteiligten wieder wichtigeren Aufgaben widmen können.

Der Aufstand möchte eine große Parabel auf Politik und Menschenrechte sein, wird seinem eigenen Anspruch durch das miese Drehbuch und die langweilige Inszenierung jedoch nicht gerecht. Dies ist nicht nur ein unwürdiger Nachfolger für Der erste Kontakt, es ist auch ein unwürdiger Beitrag zum Star Trek-Universum.



Dienstag, 23. Juli 2013

Star Trek - Der erste Kontakt (1996)




STAR TREK – DER ERSTE KONTAKT
(Star Trek: First Contact)
USA 1996
Dt. Erstaufführung: 19.12.1996
Regie: Jonathan Frakes

Vielleicht wären mehr Star Trek-Filme wirklich großartig geworden, wenn sie direkt auf der TV-Serie aufgebaut hätten. Vor Star Trek – Der erste Kontakt stand Star Trek II – Der Zorn des Khan als herausragendster Teil der langlebigen Reihe einsam an der Spitze, als Kinofortsetzung der Episode Der schlafende Tiger. Der erste Kontakt, der achte Film des Franchises, bezieht sich nun auf den Next Generation-Zweiteiler In den Händen der Borg/Angriffsziel Erde und stellt nicht nur die feindlichen Borg einem größeren Publikum vor, er ist auch der beste Star Trek-Film seit 1982.

Die Borg sind eine Rasse von kybernetischen Wesen, d.h. sie bestehen aus sowohl organischen als auch mechanischen Bestandteilen, sind wie ein Insektenstaat als Kollektiv organisiert und assimilieren jede Zivilisation, auf die sie treffen und die ihnen keinen Widerstand leisten kann. Diesmal versuchen sie es einmal mehr mit der schwerbewachten Erde. In der Hitze des Gefechts wird zwar das Hauptschiff zerstört, den Borg gelingt es aber, ein weiteres Schiff abzusetzen, dass einen Zeitwirbel erzeugt und in die Vergangenheit der Erde reist, um die Menschheit dann zu unterjochen, als sie noch nicht über die Technologien der Star Trek-Gegenwart verfügten. Als einziges Föderationsraumschiff hängt sich – natürlich – die Enterprise, diesmal in der E-Ausführung, an die Borg und reist mit zurück ins Jahr 2063. Wie sich herausstellt haben die Borg einen ganz besonders sinisteren Plan: sie wollen den Erstkontakt zwischen Menschen und Vulkaniern verhindern, der wenige Jahre nach dem dritten Weltkrieg den Grundstein für den Wohlstand und die „bessere Zukunft“ legen sollte, in der alle Star Trek-Serien angesiedelt sind. Es liegt an Captain Picard (Patrick Stewart) und seiner Mannschaft, die Zukunft zu retten…

Star Trek – Der erste Kontakt ist deutlich actionlastiger als seine Vorgänger, hinzu kommt, dass Regisseur Jonathan Frakes (ebenso zu sehen in der Rolle vom ersten Offizier Riker) seinen Film mit allerlei Horrorelementen würzt. Dabei rührt der Schrecken nicht von der für Menschen immer unbehaglichen Vorstellung eines Kollektivs her, sondern von der Inszenierung der Borg, die jedem Zombiefilm zur Ehre gereicht. Wenn eine Tür geöffnet wird und die roten Suchlichter der Borgaugen aus der Dunkelheit aufblitzen und schnell näher kommen, wähnt man sich mehr im Romero-Universum denn im Star Trek-Kosmos. Frakes macht den Film massenkompatibler, er holt Picard und die Seinen aus den Sphären der Diplomatie hinunter auf eine geradezu handgreifliche Ebene. Der erste Kontakt ist manchmal roher, als man es von Star Trek gewohnt ist, aber die zwiespältigen Implikationen, die damit einhergehen, werden nicht ausgespart. Dass es einen Widerspruch zwischen dem humanistischen Ideal und den tatsächlichen Handlungen gibt, wird nicht nur zur Kenntnis genommen, es wird durch die Figur Lily (Alfre Woodard) auch ausgesprochen. Lily fungiert als Picards Gewissen, als hinterfragende Stimme, die dem Captain, der in der Serie selbst zum Teil des Borg-Kollektivs wurde und dementsprechend traumatisiert ist, darauf hinweist, dass seine hohen Ideale zu zerbrechen drohen. Das Drehbuch ist klug genug, Action und Star Trek-übliche Ideen und Ideale miteinander zu verbinden.

Dabei bewegt sich der Film. Ganz entschieden. Der erste Kontakt ist einer der temporeichsten der Reihe und springt zwischen den Borg-Kämpfen, der Vorbereitungen für den ersten Warp-Flug und Datas (Brent Spiner) Verführung durch die Borg-Königin (Alice Krige) hin und her. So gibt es nicht nur den Konflikt von Picard mit seinen inneren Dämonen, sondern auch Datas Wille zur Menschwerdung, der im letzten Film durch den Emotionschip einige eher alberne Wirrungen erfahren hat, wird ernsthafter auf die Probe gestellt. Wo verläuft die Grenze zwischen Mensch und Maschine, auf welcher Seite kann sich eine künstliche Intelligenz positionieren und ist die Verbindung von Fleisch und Metall womöglich doch eine sinnvolle Kombination? Der erste Kontakt stellt diese Fragen ständig, ohne in einen philosophischen Diskurs zu enden. Es liegt am Zuschauer, ob er sich auf den Subtext einlässt oder nicht oder ob er den Film lediglich als hervorragende Unterhaltung goutiert. Der dritte Konflikt, der zwischen Mythos, Mensch und Wirklichkeit, wird durch James Cromwells Darbietung als Zefram Cochran, dem Erfinder des Warpantriebs, auf ein wahrlich menschliches Maß gebracht. Es gehört schon etwas Mut dazu, die wichtigste Erfindung des Star Trek-Universums mit dem Wunsch nach Geld und „nackten Weibern auf einer tropischen Insel“ zu erklären und den ersten Warpflug dann auch noch mit Steppenwolfs Magic Carpet Ride zu unterlegen.

Der erste Kontakt ist Popcornkino at it’s best. Getragen von hervorragenden Effekten, einer involvierenden Story und gut aufgelegten Darstellern (auch wenn das Drehbuch klar macht, dass es keine Ahnung hat, was es mit den weiblichen Figuren Troi und Crusher anfangen soll und vor allem Troi in weniger gelungenen Gags verheizt) ist das achte Kinoabenteuer der Enterprise ein Beitrag zu Reihe mit hohem Unterhaltungswert. Dass bei all der Genre-Mix-Spannung und dem fast atemlosen Tempo die Ideale von Star Trek nicht verraten, das Hirn also nicht den Muskeln geopfert wird, ist besonders hervorzuheben. Und natürlich siegt bei aller Düsterness, die Frakes‘ Inszenierung innewohnt, der Optimismus, denn der titelgebende Erstkontakt gehört nicht nur zu den schönsten Sequenzen des gesamten Franchise, er verweist auch gleich augenzwinkernd auf den Kernkonflikt zwischen logischen Vulkaniern und emotionalen Menschen, wie er in der originalen Serie und den dazugehörigen Filmen stets anhand Kirk/Spock/McCoy durchgespielt wurde. So kommt es denn auch, dass man die alten Hasen des Raumflugs nicht vermisst, auch wenn dies der erste Star Trek-Film ist, in dem keiner aus Kirks Crew auftaucht. Die Next Generation hat mit dem Beginn der Credits bewiesen, dass sie würdige Nachfolger sind.