Mittwoch, 13. November 2013

Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr (2013)




OLYMPUS HAS FALLEN – DIE WELT IN GEFAHR
(Olympus Has Fallen)
USA 2013
Dt. Erstaufführung: 13.06.2013
Regie: Antoine Fuqua

Vor gar nicht langer Zeit war man der Meinung, einem fast vergessenen Thriller namens Die rote Flut ein Remake zu spendieren. Das Original, 1984 entstanden, handelte von einer Invasion der USA durch die Sowjetunion. Im Remake von 2012 wurde das Land der „Freien und Tapferen“ von Nordkorea überrannt. Augenscheinlich braucht man im US-Kino inzwischen wieder klare Feindbilder. Zwar hat sich die Prophezeiung, nach dem 11. September 2001 würde es keine Actionfilme mehr wie zuvor geben, nicht bewahrheitet, aber der Turbantragende Attentäter scheint dann doch zu nah zu sein. Die echte Katastrophe will differenziert betrachtet werden, für die fiktiven braucht man einen wirklich in der Welt existierenden, aber de facto nicht ernstzunehmenden Feind, an dem man eine überholte Stars-and-Stripes-Ideologie demonstrieren kann. Was in den letzten Jahren des Kalten Krieges noch die Sovjets waren, sind nun die Nordkoreaner. Ein isoliertes, hungerndes Volk, von einem säbelrasselnden Diktator überwacht ist nun die neue Bedrohung des Weltfriedens. Die Absurdität dieser Prämisse wurde schon 2004 in der zunehmend an Substanz gewinnenenden Puppen-Parodie Team America: World Police durchexerziert. Olympus Has Fallen ist nun genau die Art Film, die Trey Parker und Matt Stone vor neun Jahren so süffisant durch den Kakao zogen – eine wahre parodistische Fundgrube, wenn er nicht so bierernst wäre. Ironie ist ein Wort, dem inzwischen ein gewisser Hipster-mäßiger negativer Beiklang innewohnt, aber selten wäre sie so nötig gewesen wie bei diesem Film, der sich seiner eigenen Albernheit nie bewusst zu sein scheint.

Er konnte die Frau des Präsidenten nicht retten: um nicht ständig den mächtigsten Mann des Landes, Benjamin Asher (Aaron Eckhart), an seinen Verlust zu erinnern, musste der in seiner Arbeit aufgehende Secret Service-Agent Mike Banning (Gerard Butler) seinen Dienst an der Seite der First Family aufgeben und einen Bürojob annehmen. Seine Stunde zur erneuten Bewährung schlägt, als 18 Monate nach dem Unfall nordkoreanische Terroristen Washington überfallen, in weniger als einer Viertelstunde das Weiße Haus einnehmen und den Präsidenten nebst diversen anderen hochrangigen Regierungsmitgliedern festsetzen. In einer Nation im Ausnahmezustand schlägt sich Banning seinen Weg durch das von Leichen gepflasterte Weiße Haus, um Asher zu retten und eine atomare Katastrophe zu verhindern, mit der der Anführer der Invasoren, Kang (Rick Yune), droht…

Olympus Has Fallen ist aus der Zeit gefallen. Was noch in den 1980iger oder 1990iger Jahren als passabler Actionfilm durchgegangen wäre, ist heute schwer zu ertragen. Die Tumbheit ist im Grunde nur durch ein Trinkspiel zu ertragen: Immer, wenn die amerikanische Flagge erscheint… Aber dann wären wohl alle Zuschauer nach dreißig Minuten schon zu betrunken, um dem immerhin physisch sehr präsenten Gerard Butler dabei zuzusehen, wie er den John McClane gibt. Ganz nebenbei empfiehlt sich der Film dann auch noch für alle Zuschauer, denen der ebenfalls problembehaftete, aber nicht ganz so desaströse Zero Dark Thirty zu schwierig war: Hier kann man die Vorteile der Folter wenigstens gleich bewundern. Denn, so die Logik des Films, wenn man angegriffen wird, ist jedes Mittel angebracht, um zurückzuschlagen. Den Invasoren ist das Leben nichts wert, das demonstriert ihr sehr blutig inszenierter Angriff aus Washington D.C. (Regisseur Antoine Fuqua geht es übrigens ähnlich, walzt er doch Bilder wie die White-Trash-Touristen, die zu langsam dahin wackeln, um nicht vom kollabierenden Washington Monument erschlagen zu werden, genüsslich aus), aber auch Banning ist nicht zimperlich. Aber, hey, das ist Amerika. Fuck, yeah!, um mit Team America zu sprechen. Olympus Has Fallen ist reaktionär bis ins Mark und für Zuschauer außerhalb der USA (oder, um all die US-Amerikaner nicht auszuschließen, denen die Dummheit von Fuquas Film ebenfalls bewusst ist, außerhalb der Anhängerkreise von blinden Hurra-Patriotismus) in all seiner Glorifizierung schwerlich ernst zu nehmen. Es ist peinlich mit anzusehen, wie sehr der Film glaubt, durch simples Drücken einiger generischer Emotionsknöpfe könnte er eine Reaktion erheischen. Für Fuqua und seine Drehbuchautoren Creighton Rothenberger und Katrin Benedikt scheint das Publikum ein einziger pawlowscher Hund zu sein. Zeige ihm Explosionen, die Flagge und markige Sprüche und er fängt an zu sabbern.

Dass die Zeiten für No-Nonsens-Actionfilme vorbei sein sollen, daran mag man nicht wirklich glauben. Aber nach Olympus Has Fallen weiß man, dass sie intelligenter daherkommen müssen als dieser Angriff aus Nordkorea. Es reicht nicht, tumben Patriotismus und blutiges Gemetzel aneinander zu reihen, langweilige Figuren ins Spektakel zu setzen und Klischees zu bedienen. Olympus Has Fallen ist wie ein schlechter Kinderfilm, gesehen durch die Augen eines Erwachsenen: man spürt die Beleidigung des Zielpublikums durch das Machwerk. Wer meint, Actionfans sind nicht zu Blicken jenseits des Martialischen fähig, der irrt und demonstriert auch gleich noch eine bemerkenswerte zynische Sicht auf das Publikum, für das sich Olympus Has Fallen empfiehlt. Aber an Zynismus mangelt es Fuqua augenscheinlich ohnehin nicht.


http://filmblogosphaere.wordpress.com/

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