Mittwoch, 15. Oktober 2014

Big Trouble in Little China (1986)




BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA
USA 1986
Dt. Erstaufführung: 18.09.1986
Regie: John Carpenter

Big Trouble in Little China war ein finanzieller Flop, der sehr gemischte Kritiken erhielt und erst durch Heimkinoauswertungen zu einem kleinen Kultfilm avancierte. John Carpenter war danach so desillusioniert vom Studiosystem Hollywoods, dass er sich entschloss, nur noch als unabhängiger Regisseur in Erscheinung zu treten. Dies sollte immerhin dazu führen, dass er noch ein paar Mal zur alten Form zurückkehren konnte, etwas, dass bei Big Trouble kaum evident ist. Dies ist ein sporadisch unterhaltsamer Live-Action-Cartoon, weniger verstockt als Starman, allerdings auch kaum geprägt von Carpenters Stil. Ob es an dem für seine Verhältnisse astronomischem Budget von 25 Millionen Dollar liegt oder an einer exzessiven Einmischung der Studiobosse, sei dahingestellt – Big Trouble in Little China ist ein Film, der nie so ganz aus der Startposition herauskommt.

Die Verlobte des Restaurantbesitzers Wang Chi (Dennis Dun) wird in San Franciscos Chinatown entführt. Zusammen mit seinem Freund, dem Trucker Jack Burton (Kurt Russell) und einer illustren Schar von Freunden macht sich Wang auf in die Unterwelt von Chinatown, um sie zu retten, noch nicht ahnend, dass sich hinter der Entführung Lo Pan (James Hong) versteckt, der in Wirklichkeit ein uralter Geist ist, der durch die Heirat (und die Opferung) einer besonderen Frau wieder menschliche Gestalt annehmen will…

Big Trouble in Little China ist eine Parodie auf generische Martial-Arts-Filme und die Erfüllung von Carpenters Traum, einmal einen Film aus diesem Genre zu inszenieren. Der Film ist weitaus humorvoller als die allermeisten anderen Filme des Regisseurs (von Dark Star – Finsterer Stern einmal abgesehen), tricktechnisch ein Genuss und – kein Wunder bei dem Budget – geradezu verschwenderisch ausgestattet, ohne dabei den handwerklichen Charme einer Low-Budget-Produktion gänzlich zu verlieren. Ergo: Big Trouble sieht nach weniger Geld aus, als er eigentlich gekostet hat, und dies gereicht dem Film nur zum Vorteil. Dies ist ebenso ungewöhnlich wie bemerkenswert, ganz im Gegensatz zum Film als Gesamtpaket.

Denn so liebevoll Big Trouble auch gestaltet ist, wie sehr er versucht mit Klischees und Stereotypen zu spielen, so wenig nimmt er wirklich Fahrt auf. Es ist ein Kuriosum, denn während der Film selbst augenscheinlich der Meinung ist, er ziehe das Tempo beständig an, ist es in Wahrheit nicht so. Big Trouble hat sehr viel mehr Leerlauf, als man von einem Film dieses Kalibers erwarten würde, zudem hat er einen Hang zur Wiederholung, was gerade die Kampfkunsteinlagen mitunter gähnend langweilig erscheinen lässt. Der Film fährt beständig mit angezogener Handbremse, nur wenn er gänzlich in die Groteske abgleitet, entfaltet er sein komplettes Potenzial. Ein bisschen ist er ein Cartoon, der sich seiner Existenz als Cartoon schämt und lieber etwas anderes wäre als ein fleischgewordener Tom und Jerry-Beitrag. Die Uneindeutigkeit kann zu einem starken Element der filmischen Gestaltung werden, bei Big Trouble überwiegt der mäandernde Eindruck.

Was natürlich nicht heißt, dass der Film nicht seine Momente hätte. Bemerkenswert viele One-Liner zünden, die Mythologie wird gleichzeitig demontiert wie ernst genommen und es gibt mehr als einen herrlich-durchgeknallten Einfall, die meisten zudem mit einem gelungenen Überraschungsmoment. Big Trouble in Little China wäre wahrscheinlich außerhalb des Studiosystems besser aufgehoben gewesen, weniger als Versuch einer massenkombatiblen Groteske, sondern als Fantasyactionfilm, der sich durchgängig traut, an die bizarren und skurrilen Plätze zu gehen, die er so oft anreißt. Immerhin konnte Carpenter hier mal wieder beweisen, dass er auch einen nicht zu unterschätzenden Humor hat. Man hätte es bei all den Maskenmördern, Killernebeln und deformierten Außerirdischen beinahe vergessen.



Kommentare:

  1. Aber als ein Ich-zapp-mal-durch-das-Sonntagnachmittag-Programm-und-bleib-aufgrund-Alternativen-dort-hängen-Film ist er definitiv geeignet.

    AntwortenLöschen