Montag, 30. Juni 2014

Otto - Der Katastrofenfilm (2000)




OTTO – DER KATASTROFENFILM
Deutschland 2000
Dt. Erstaufführung: 23.03.2000
Regie: Edzard Onneken

Acht Jahre nach dem bisherigen Tiefpunkt im Kino-Oeuvre des ostfriesischen Komikers Otto Waalkes, Otto – Der Liebesfilm, erachtete man augenscheinlich die Zeit als reif, ihn wieder auf die große Leinwand loszulassen. In der Zwischenzeit arbeitete er an der genügsamen Zeichentrickserie Die Ottifanten, die auf seinen Cartoon-Kreationen basierte, und an der sicherlich handwerklich nervenzerrenden, letztlich aber auch sehr durchwachsenen Otto – Die Serie, die ihn durchaus aufwendig in diverse Szenen aus den beliebten Edgar-Wallace-Filmen hineinkopierte, die dadurch eine ganz im Waalkes’schen Sinne neue Bedeutung bekamen. Vielleicht ist hier, in der technischen Virtuosität der TV-Serie, die Existenzerklärung für Otto – Der Katastrofenfilm zu suchen. Denn der fünfte Kinofilm des „Blödelbarden“ ist vor allem eine Leistungsschau des technisch machbaren, man schwelgt in den Möglichkeiten, die die sich rasant entwickelnde Tricktechnik in der Post-Jurassic Park/Toy Story-Landschaft bietet. Der Plot ist das üblich wackelige Konstrukt, das Otto ohnehin immer nur als Vorwand für eine Reihe von Sketchen bot. Diese sind hier aber nun derartig ausgelutscht und recycelt, dass es keine Freude mehr macht; vor allem aus dem besten Teil der Reihe, Otto – Der neue Film, wird so viel übernommen, dass man sich einem ständigen Déjà-Vu ausgesetzt sieht. An Otto – Der Katastrofenfilm ist nicht nur die Schreibweise von „Katastrophe“ eine solche.

Otto (Waalkes), den nach dem Tod seines Adoptiv-Großvaters (Waalkes) nichts mehr in Friesland hält, reist (wieder einmal) in die große weite Welt hinaus, um den letzten Wunsch seines Erziehungsberechtigten zu erfüllen: einmal die „Queen Henry“, den Stolz der Seefahrt, zu steuern. So schmuggelt sich Otto nach missglückter Leichtmatrosenprüfung als Mitglied der „Old Speis Görls“ an Bord, ohne zu wissen, dass an Bord sich nicht nur ein Attentäter und nach ihm fahndende Agenten befinden, sondern auch die Liebe seines Lebens (Eva Hassmann) sowie ein Pinguin namens Max…

Ich persönlich verbinde eine durchaus schöne Erinnerung mit Otto – Der Katastrofenfilm. Den Trailer, der sich zunächst als apokalyptischer Actionthriller generiert, bis dann Otto ins Film hampelt, habe ich im Kino gesehen und es war ein Erlebnis, ein Auditorium von vielleicht 700 Leuten ob diesen Ereignisses kollektiv aufstöhnen zu hören. Viele haben den Film angesichts der Besucherzahlen wohl dann nicht gesehen, die Marke Otto aber hat sich als so etabliert erwiesen, dass das Kalkül aufging, gerade wegen der Reaktion zwischen leidlichem Lachen und wohlwollendem Augenrollen.

Das Problem ist, dass sich der Film einer Weiterentwicklung jenseits der Technik konstant verweigert. Waalkes‘ Witze sind inzwischen so altbekannt, dass sie außer bei einem ganz jungen Publikum, dass den Komiker erst entdeckt, kaum auf Resonanz stoßen dürften. Natürlich darf man fragen: Will man das Neue überhaupt? Otto ist eben Otto, wer ihn sich ansieht, der weiß, was er bekommt. Also keine Experimente? Das ist nicht nur für das Publikum, sondern auch für Waalkes als Künstler enttäuschend. So ist die „Origin Story“ von Otto, die sich diesmal eines leicht gruseligen künstlichen Babys bedient, auf das Waalkes‘ Gesicht digital kopiert wurde, nur eine ausgeschmücktere Version dessen, was man schon im ersten Film von 1985 gesehen hat. Dazu kommt eine Variante des Gummiband-Gags aus Otto – Der Außerfriesische, ein direkt aus Otto – Der neue Film entlehnte Spiel mit den Erwartungshaltungen in bestimmten Szenen und mäßige Parodien. „Old Speis Görls“? Selten so gelacht. Und die Figur des schmierigen Käpitäns, die durch Reiner Schöne immerhin das auditive Element der vorherigen Filme fortführt (Schöne ist die deutsche Synchronstimme von Willem Dafoe), ist der generische Gegenspieler zum Mann-Kind Otto.

Wie gesagt, man mag anführen, ob die Kritik am Wiederholungscharakter nicht ins Leere läuft, weil er das erfüllt, was man von Otto erwartet. Seine Bühnenprogramme sind auch noch ein einschlägiges Geschäft, obwohl sich auch hier die Innovationen deutlich im Zaum halten. Doch wenn man lediglich die Technik updatet, muss man sich auch die Sinnfrage gefallen lassen. Denn durch einen lustlosen Film wie diesen hält sich Waalkes nicht positiv im Gedächtnis, sondern als Wiederverwerter, als Kind einer anderen Zeit, das sich im cineastischen Kaufhaus der Moderne an allen Ecken bedient, ohne so recht zu wissen, was man mit den Komponenten anfangen soll.

So ist Otto – Der Katastrofenfilm in erster Linie erschreckend belanglos. Es mag noch irgendwie niedlich sein, wenn Otto als Milchlieferant durch seine Heimat fährt und Flaschen durch die Gegend wirft oder mit einem bewusst künstlichem Pinguin redet, aber insgesamt ist so wenig Leben, so wenig Esprit in dem ganzen Unterfangen, dass man eher beschämt denn erfreut aus dem Erlebnis herausgeht. Otto war schon mal lustiger. Und das liegt nicht nur daran, dass man nostalgisch zurückblickt, im Direktvergleich hatten die vorangegangenen Kinofilme schlicht ein besseres Timing und eine größere Gagdichte. Schlussendlich kann man nur konstatieren, dass der Trailer weitaus unterhaltsamer daherkam als der fertige Film. Das Auditorium von damals schien es geahnt zu haben.




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