Montag, 16. Juni 2014

Otto - Der Außerfriesische (1989)




OTTO – DER AUßERFRIESISCHE
Deutschland 1989
Dt. Erstaufführung: 13.07.1989
Regie: Marijan David Vajda & Otto Waalkes

Ziemlich genau zwei Jahre nach Otto – Der neue Film und vier Jahre nach Otto – Der Film kam der dritte Teil rund um den bekannten und beliebten Komiker aus Emden in die deutschen Kinos. Während die Vorgänger genügsame, aber streckenweise doch recht unterhaltsame Blödel-Komödien waren, fällt der dritte Teil, dessen Launigkeit schon durch den Titel Der Außerfriesische als Anspielung auf E.T. – Der Außerirdische angedeutet wird, ab. Der Film ist von der reinen Laufzeit nur ein paar Minuten länger als die anderen Teile, fühlt sich aber durch die zähe Inszenierung länger an. Das Tempo verlässt Waalkes mit seinem dritten Kinofilm, ebenso die Gagdichte. Es gibt immer noch einige recht amüsante und einen wirklich großartigen Moment in Der Außerfriesische, aber insgesamt ist der Film endgültig nur noch ein müder Aufguss altbekannter Sketche.

Was im letzten Teil angedeutet wurde, ist nun Realität: Otto (Waalkes), im Grunde eh nur eine Version seiner Selbst, ist in seine Heimat zurückgekehrt, aber nicht nach Hühneroog, sondern in einen kleinen Leuchtturm, den er als Touristenattraktion vermarktet. Als eine Hochgeschwindigkeitsteststrecke gebaut werden soll, planen die Verantwortlichen, allen voran der Unternehmer J.R. Van Devil (Volkmar Kleinert), Otto sein Stück Land abzukaufen, um anschließend den Turm dem Erdboden gleich zu machen. Dumm nur, dass er offiziell Ottos in den USA lebenden Bruder Benno Gross (ebenfalls Waalkes) gehört. Während die Schurken planen, Benno mithilfe eines Profikillers (Tony Guzman) aus dem Weg zu räumen, reist Otto ins „Land der unbegrenzten Eitelkeiten“, um seinen Bruder zu einer Rückkehr nach Friesland und der Rettung des selbigen zu überreden.

Wenn man sich nun fragt, was denn der großartige Moment in diesem Film sein soll: es ist natürlich die selbstironische Reflexion auf Waalkes‘ eigenen Stand als Humorist und dass er einem Loriot niemals das Wasser reichen könnte. So lässt er eine gigantische Schar Autogrammjäger ihn links liegen lassen, während sie auf den verschreckten Vicco von Bülow zustreben, der hier einen Gastauftritt absolviert. Dies ist gleichzeitig eine tiefe Verbeugung vor „Opa Hoppenstedt“ und ein charmantes Eingeständnis in den eigenen, andersgearteten Status. Ansonsten bietet Der Außerfriesische nicht viel Neues, der Culture Clash, wenn der Naivling aus Friesland auf das Amerikabild der ausklingenden 1980er Jahre stößt, beschränkt sich im Wesentlichen auf falsche Übersetzungen und Begegnungen mit TV-Ikonen wie Miami Vice und K.I.T.T. aus Knight Rider, für den man nicht einmal die deutsche Feststimme ins Synchronstudio holen konnte. Das Beste an der ganzen Odyssee ist Uwe Hacker als xenophobischer Mann im Flugzeug, der schlussendlich von einem Bayern auf der Flughafentoilette überfallen wird. Ferner gibt es noch einen Kurzauftritt von Steffi Graf, der humoristisch ziemlich danebengeht und ein groteskes Szenenrecycling aus Auf dem Highway ist wieder die Hölle los.

So wenig Gespür für seinen erweiterten Handlungsspielraum der Film auch beweist, an einem Sinn für das Bedienen von nostalgischen Gefühlen beim deutschen Publikum mangelt es nicht. Dies war auch schon verstärkt bei Otto – Der neue Film so und nicht erst mit dem Abstand von Jahrzehnten. Dort sorgte Friedrich Schoenfelder mit seiner bekannten und markanten Stimme für Aufhorche bei den Kennern der deutschen Synchron- und Hörspiellandschaft, hier ist es der unverwechselbare Arnold Marquis in einer seiner letzten Rollen als Baron von Platt. Die Standardstimme von John Wayne in einem Otto-Film zu sehen und zu hören ist ein netter Zug, der wahrscheinlich auch 1989 schon für Flashbacks sorgte.

Würde man Otto – Der Außerfriesische Kopfnoten angedeihen lassen, wäre wohl die Formulierung „War stets bemüht“ angebracht. Waalkes ist wie immer er Selbst und als solcher energetisch voll bei der Sache, allein die Witze sind etwas abgestanden und in ihrer Harmlosigkeit nicht mehr so unterhaltsam wie in den Vorgängern. Das Wort „genügsam“ passte auch auf Teil eins und zwei, aber Der Außerfriesische lässt sie sehr viel frischer und flotter erscheinen. So plätschert der Film dahin ohne wirkliches Gespür für seine Spielorte oder einen sonderlich ausgeprägten Sinn für Timing. Es beginnt, unhörbar in der Otto-Vermarktungsmaschinerie zu knirschen.



Kommentare:

  1. "You are dead." - "Ich werde Vater..." Otto und die Absurditäten einer Variation des Englischen. I love it. Frei nach Otto übersetzt: Lass laufen. :)

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    1. Ja, das "English for Runaways" und "...for Insiders" ist immer ein Kleinod besonderer Art. :-)

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